Abstract
This paper provides a systematic introduction to AI agents, covering
core definitions and foundational architectural concepts. It examines
tool integration, including operational principles, capabilities, and
evaluation of AI coding agents, as well as the Model Context Protocol.
The paper further analyzes memory systems as a key component for context
persistence and long-horizon task execution. A central focus is placed
on established reasoning patterns such as Chain of Thought, Reasoning
and Acting, as well as further reasoning patterns and their
combinations. Finally, orchestration strategies for single- and
multi-agent systems are discussed, including parallel, hierarchical, and
group-based patterns, along with control-handoff and coordination
mechanisms.
Kurzfassung
Diese Arbeit bietet eine systematische Einführung in KI-Agenten und
behandelt dabei zentrale Definitionen und grundlegende
Architekturkonzepte. Es untersucht die Tool-Integration, einschließlich
der Funktionsprinzipien, Fähigkeiten und Bewertung von
KI-Codierungsagenten sowie das Model Context Protocol. Die Arbeit
analysiert darüber hinaus Speichersysteme als Schlüsselkomponente für
die Kontextpersistenz und die Ausführung von Aufgaben mit langem
Zeithorizont. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf etablierten
Argumentationsmustern wie „Chain of Thought”, „Reasoning and Acting”
sowie weiteren Argumentationsmustern und deren Kombinationen.
Abschließend werden Orchestrierungsstrategien für Single- und
Multiagenten-Systeme diskutiert, darunter parallele, hierarchische und
gruppenbasierte Muster sowie Kontrollübergabe- und
Koordinationsmechanismen.
Einleitung
Die rasante Weiterentwicklung von Large Language Models (LLMs) hat in
den letzten Jahren den Weg von reinen Chatbots hin zu handlungsfähigen,
autonomen KI-Agenten eröffnet, die aktiv in Softwareentwicklungsprozesse
eingreifen können. In der Praxis entstehen daraus neue Chancen für
Produktivität, Codequalität und Automatisierung, aber ebenso neue
Herausforderungen hinsichtlich Zuverlässigkeit, Kosten und
Orchestrierung.
Die Arbeit untersucht, wie autonome KI-Agenten auf Basis von LLMs in
der Softwareentwicklung gestaltet und eingesetzt werden können. Im
Mittelpunkt stehen Architektur- und Orchestrierungsmuster von Single-
bis Multi-Agent-Systemen, verschiedene Reasoning-Patterns wie
Chain-of-Thought, ReAct oder Tree-of-Thoughts sowie Kurz- und
Langzeit-Memory-Systeme.
Ziel der Arbeit ist es, einen strukturierten Überblick über
Architektur‑, Orchestrierungs‑, Reasoning‑ und Memory-Konzepte autonomer
KI-Agenten in der Softwareentwicklung zu geben und deren Abwägung
zwischen Vor- und Nachteilen sowie Fehlermodi herauszuarbeiten.
Grundlagen von Agenten
Dieses Kapitel definiert die fundamentalen Konzepte von
Software-Agenten, grenzt sie von statischen Workflows ab und ordnet sie
in ein Framework für Autonomiegrade ein.
Definition und Kerneigenschaften eines Agenten
Im Kontext der KI-gestützten Softwareentwicklung ist ein Agent mehr
als nur ein Werkzeug zur Code-Generierung, er wird als System
verstanden, das seine Umgebung wahrnimmt und aktiv handelt, um Ziele zu
erreichen [1], [2].
Während traditionelle Softwarekomponenten passiv auf Eingaben warten,
zeichnen sich moderne, auf LLM basierende Agenten durch vier wesentliche
Eigenschaften aus [1],
[3]:
- Autonomie
Agenten agieren unabhängig und benötigen keine konstante,
kleinschrittige Steuerung durch den Menschen. Sie treffen Entscheidungen
innerhalb ihres Handlungsspielraums selbstständig [4]. - Reaktivität
Ein Agent muss fähig sein, Veränderungen in seiner Umgebung (z. B.
Fehlermeldungen beim Kompilieren, geänderte Anforderungen) zeitnah
wahrzunehmen und darauf zu reagieren [2]. - Proaktivität
Über die reine Reaktion hinaus agieren Agenten zielgerichtet. Sie warten
nicht nur auf Befehle, sondern planen eigenständig Schritte, um ein
übergeordnetes Ziel (z. B. “Refactoring eines Moduls”) zu erreichen
[3]. Soziale Fähigkeit
In komplexen Systemen agieren Agenten oft nicht isoliert. Sie besitzen
die Fähigkeit, mit anderen Agenten oder Menschen in einer
interpretierbaren Weise zu kommunizieren und zu verhandeln [1].
Abgrenzung von Workflows und Agenten
Ein entscheidender Aspekt für das Verständnis von Agentic AI ist die
Unterscheidung zwischen traditionellen Automatisierungs-Workflows
(Chains) und echten Agenten-Systemen [5], [6].
Während Workflows auf starren, vordefinierten Pfaden operieren,
generieren Agenten ihre Vorgehensweise dynamisch zur Laufzeit [5].
In klassischen Workflows ist der Ausführungspfad vom Entwickler
statisch festgelegt (hard-coded) und folgt meist einer deterministischen
„Wenn-Dann“-Struktur. Im Gegensatz dazu agiert ein Agent adaptiv: Er
generiert seinen Plan basierend auf der aktuellen Aufgabenstellung und
dem Kontext selbstständig [1], [5].
Diese Fähigkeit ermöglicht es dem Agenten, Feedback, etwa
Fehlermeldungen eines Compilers oder Rückmeldungen eines Code-Reviewers,
aktiv zu verarbeiten und seinen Lösungsansatz entsprechend anzupassen
[6].
Diese Flexibilität ist besonders relevant für die Fehlerbehandlung
und den Einsatz in komplexen Umgebungen. Während unerwartete Fehler in
einem starren Workflow oft zum Prozessabbruch führen, verfügen Agenten
über Mechanismen zur Selbstüberprüfung. Sie können Fehler autonom
erkennen und beheben, bevor eine menschliche Intervention notwendig wird
[5], [7].
Damit sind Agenten speziell für Aufgaben in unvorhersehbaren Umgebungen
konzipiert, in denen nicht alle Randbedingungen bereits zur
Entwicklungszeit bekannt sind [2], [5].
Framework für Autonomiegrade (Levels of Autonomy)
Um die Fähigkeiten von KI-Systemen in der Softwareentwicklung zu
klassifizieren, wird oft ein Stufenmodell herangezogen, das an die aus
der Automobilindustrie bekannten Autonomie-Level angelehnt ist [8],
[9].
Für Software-Agenten lässt sich dieses Spektrum wie folgt unterteilen
[8]:
Level 0: Keine Autonomie Der Prozess wird
vollständig manuell vom Menschen durchgeführt. Es findet keine
Unterstützung durch KI statt [8].
Level 1: Einfache Assistenz Das System bietet
Vorschläge (z. B. Code-Vervollständigung) oder Erklärungen an, die
exekutive Kontrolle liegt jedoch vollständig beim Menschen [8].
Level 2: Teilautomatisierung Das System kann
einzelne Aufgaben unter menschlicher Aufsicht übernehmen, beispielsweise
das Bearbeiten mehrerer Dateien, wobei der Mensch den Prozess initiiert
und überwacht [8].
Level 3: Bedingte Autonomie Der Agent agiert
innerhalb eines definierten Rahmens autonom. Der Mensch greift nur ein,
wenn das System an seine Grenzen stößt oder explizit um Hilfe bittet
(Human-in-the-loop) [3],
[8].
Level 4: Hohe Autonomie Der Agent übernimmt den
Großteil der Tasks selbstständig, inklusive Planung und Ausführung. Der
Mensch prüft lediglich Ausnahmen oder validiert das Endergebnis [8].
Level 5: Volle Autonomie Das System agiert komplett
eigenständig von der Aufgabenstellung bis zur Lösung. Eine menschliche
Aufsicht ist für die operative Durchführung nicht mehr erforderlich
[8].
Toolintegration
Dieses Kapitel beleuchtet die technische Funktionsweise der
Tool-Integration und analysiert die spezifischen Fähigkeiten sowie die
Vor- und Nachteile von KI-Coding-Agenten.
Tool-Integration und Funktionsweise
Die Fähigkeit, externe Werkzeuge (Tools) zu nutzen, ist das zentrale
Unterscheidungsmerkmal zwischen einem reinen Chatbot und einem
handlungsfähigen Agenten [1],
[4]. Während ein Standard-LLM auf sein trainiertes Wissen
beschränkt ist, ermöglichen Tools den Zugriff auf Echtzeitdaten, das
Dateisystem oder APIs [6].
Der technische Ablauf eines Tool-Aufrufs folgt einem zyklischen
Prozess, der oft als strukturierte Ausführung beschrieben wird [10]. Dieser
Prozess lässt sich in fünf Schritte, wie in [tools] dargestellt, unterteilen:
- Reasoning (Der Gedanke): Der Agent analysiert
die Benutzeranfrage z. B. „Brauche ich morgen eine Jacke?“ und stellt
fest, dass sein internes Wissen nicht ausreicht [2]. Er formuliert den internen
Plan: „Ich brauche die Wetter-Informationen, um fortzufahren“. Strukturierter Request (JSON-Generierung):
Anstatt freien Text zu generieren, erzeugt das Modell einen
strukturierten Befehl, meist im JSON-Format, der maschinenlesbar ist
[10].
Beispiel: { “tool”: “weather_api”, “city”: “Stuttgart”, “date”:
“2025-12-12” }System-Ausführung (Execution): Eine
deterministische Umgebung (z. B. eine Python-Runtime) erkennt den
strukturierten Block, stoppt die Textgenerierung und führt den
API-Aufruf tatsächlich aus [4],
[6].Observation (Ergebnis-Rückgabe): Das externe
Tool liefert das Ergebnis zurück an den Agenten [6] Beispiel: “Stuttgart:
3°C, 20 % Regen”Integration (Synthese): Der Agent nimmt diese
neue Information in seinen Kontext auf und generiert darauf basierend
die Antwort oder plant den nächsten Schritt [2].
Fähigkeiten und Bewertung von KI-Coding-Agenten
Spezialisierte Coding-Agenten wenden die generelle Fähigkeit zur
Werkzeugnutzung direkt auf den Software-Entwicklungszyklus an [7].
Basierend auf der aktuellen Forschung lassen sich ihre Kompetenzen in
drei Bereiche unterteilen, die jeweils spezifische technische
Potenziale, aber auch Risiken bergen.
Im Bereich Code Analysis und Understanding nutzen Agenten semantische
Suche und Vektordatenbanken, um den Kontext über Dateigrenzen hinweg zu
erfassen, was als Repo-level Coding bezeichnet wird [12]. Dies befähigt
sie dazu, als Mentoren zu fungieren und das Onboarding von Entwicklern
in unbekanntem Quellcode signifikant zu beschleunigen [7],
[13]. Allerdings ist die Präzision dieser Assistenz stark von der
Qualität der Suche abhängig. Fehlender Kontext kann zu Halluzinationen
führen, bei denen der Agent Funktionen erfindet, die im Projekt real
nicht existieren [14].
Hinsichtlich der Code-Transformation können Agenten Code
modernisieren und technische Rückstände abbauen. Eine empirische Studie
zeigt jedoch eine qualitative Diskrepanz: Während Agenten formale
Refactorings gut beherrschen, neigen sie bei tiefergehenden Änderungen
der Programmlogik dazu, subtile Fehler einzubauen, die schwer zu
entdecken sind [14]. Zwar
verfügen Agenten über Mechanismen zur Selbstkorrektur, um solche Fehler
iterativ zu beheben [12], doch besteht
hierbei das Risiko von fehlerhaften Iterationsschleifen, in denen der
Agent Fehler propagiert statt sie zu lösen [6],
[7].
Im Feld Code-Generation und -Testing erstellen Agenten nicht nur
produktiven Code, sondern generieren parallel die passenden Tests zur
Validierung [6],
[7]. Dies führt nachweislich zu einer subjektiven Entlastung der
Entwickler bei Routineaufgaben und steigert die Arbeitszufriedenheit
[13]. Der Preis
für diese Autonomie ist jedoch eine erhöhte Komplexität in der Wartung
der Agenten-Workflows sowie steigende Latenzzeiten und Kosten, die durch
die Vielzahl der notwendigen API-Aufrufe verursacht werden [2],
[10].
Model-Context-Protocol (MCP)
Mit der zunehmenden Anzahl an spezialisierten Tools und Datenquellen
entsteht für Entwickler die Herausforderung, jede Schnittstelle
individuell an einen Agenten anzubinden. Um dieses Integrationsproblem
zu lösen, wurde das Model Context Protocol (MCP) entwickelt [15].
Das MCP fungiert als ein Open-Source Standard, der eine einheitliche
Schnittstelle zwischen KI-Modellen und externen Systemen definiert.
Anstatt für jede Datenbank oder API einen eigenen Konnektor zu
schreiben, bietet MCP eine universelle Architektur, um KI-Anwendungen
sicher mit lokalen oder entfernten Datenquellen zu verbinden [15].
Die Architektur bietet dabei zwei zentrale Kernfunktionen: Zum einen
ermöglicht sie Agenten den direkten Zugriff auf externen Kontext,
Dokumente und komplexe Arbeitsabläufe, ohne dass das zugrundeliegende
Modell neu trainiert werden muss [15]. Zum anderen gewährleistet die
standardisierte Schnittstelle, dass Daten und Befehle in einem
normierten Format ausgetauscht werden. Dies sichert die
Interoperabilität zwischen verschiedenen KI-Clients, wie IDEs oder
Chat-Interfaces und Servern, etwa Datenbanken, Slack oder GitHub [15].
Memory-Systeme
Während LLMs von Natur aus zustandslos sind, benötigen autonome
Agenten ein Gedächtnis, um aus vergangenen Aktionen zu lernen und
konsistente Entscheidungen über längere Zeiträume zu treffen [4],
[16]. Die Forschung unterscheidet hierbei primär zwischen
Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis, analog zur kognitiven Architektur des
Menschen [12],
[17].
Der folgende Vergleich verdeutlicht die technischen Unterschiede und
Einsatzgebiete:
| Short-Term Memory (Kurzzeit) | Long-Term Memory (Langzeit) | |
Speicherort | LLM Context Window: Die Informationen liegen | Externe Datenbanken: Speicherung in |
Speicherort | Flüchtig: Beschränkt auf die aktuelle | Persistent: Dauerhafte Speicherung über Sessions |
Kapazität | Begrenzt: Limitiert durch die maximale | Unbegrenzt: Praktisch skalierbar, da nur |
Geschwindigkeit | Sehr schnell: Sofortiger Zugriff, da Daten | Latenzbehaftet: Erfordert einen |
Inhalt | System-Prompts, der aktuelle Chat-Verlauf, temporäre Variablen | Enzyklopädisches Sachwissen, vergangene Erlebnisse (episodisch), |
Reasoning Patterns
Unter Reasoning Patterns werden strukturierte Denk- und
Verarbeitungsmuster verstanden, die ein Agent nutzt, um auf Basis
logischer Abhängigkeiten zielgerichtet zu Schlussfolgerungen zu gelangen
[2],
[20]. Diese Muster können in unterschiedlichen Formen auftreten
und variieren, je nach Modellarchitektur und Aufgabenstellung [20].
Chain-of-Thought
Ein prominentes Beispiel ist das Chain-of-Thought-Reasoning (CoT),
das erstmals 2022 von Wei et al. beschrieben wurde [21]. CoT
modelliert mehrschrittiges logisches Denken, indem ein Problem nicht
unmittelbar beantwortet wird, sondern über eine explizite Sequenz
intermediärer Schlussfolgerungsschritte. Diese explizite Darstellung von
Zwischenschritten erlaubt es dem Modell, komplexe logische
Abhängigkeiten innerhalb einer autoregressiven Generierung zu
repräsentieren und führt empirisch zu einer verbesserten Lösungsqualität
bei anspruchsvollen Aufgaben [21].
Die Generierung der Reasoning-Kette erfolgt dabei sequenziell
innerhalb einer einzelnen Modellinferenz, wie in [cot] dargestellt: Das Modell erzeugt tokenweise eine
Abfolge von Schlussfolgerungsschritten, wobei jeder Schritt kontextuell
auf den zuvor generierten Tokens basiert. Ein explizites, erneutes
Anwenden des Modells auf Zwischenergebnisse findet nicht statt; vielmehr
entsteht der gesamte Reasoning-Prozess als zusammenhängende
Ausgabesequenz [21].
Durch die explizite Zerlegung eines Problems in Zwischenschritte
erreicht das Modell unter Verwendung von CoT höhere Erfolgsraten bei
Aufgaben, die mehrstufiges logisches Denken erfordern, insbesondere auch
bei Out-of-Distribution-Problemen [21],
[22]. Zudem erhöht die explizite Darstellung der
Reasoning-Schritte die Transparenz der Modellentscheidungen und
verbessert die Nachvollziehbarkeit sowie die Debuggability für Nutzer
und Entwickler [22],
[23].
Gleichzeitig führt die Generierung ausführlicher Reasoning-Ketten
jedoch zu einem erhöhten Tokenverbrauch und damit zu längeren Laufzeiten
und höheren Rechenkosten [22]. Darüber hinaus
können Fehler in frühen Zwischenschritten unentdeckt fortgepflanzt
werden, da klassisches CoT keine integrierte Selbstkorrektur innerhalb
der Reasoning-Kette vorsieht [22],
[23], [24].
Rasoning and Acting
Reasoning and Acting (ReAct) wurde 2023 von Yao et al. beschrieben
und stellt eine Erweiterung des CoT -Reasonings dar [25]. ReAct
kombiniert dabei explizites Schlussfolgern in Schritten mit gezielten
Aktionen, indem ein Agent während der Problembearbeitung iterativ
zwischen den Zuständen “Reasoning” und “Acting” wechselt [25].
Ausgehend von einem initialen Prompt entscheidet der Agent zunächst,
welcher nächste Schritt zielführend ist, beispielsweise das Lösen eines
Teilproblems oder das Beschaffen zusätzlicher Informationen.
Anschließend führt er eine Aktion aus, etwa eine Code-Ausführung oder
einen Zugriff auf eine externe Quelle. Die Ergebnisse dieser Aktionen
werden als “Observations” in den Kontext aufgenommen und dienen als
zusätzliche Informationsbasis für nachfolgende Reasoning-Schritte, wie
[react] zeigt. Auf dieser erweiterten
Grundlage entscheidet der Agent über weitere Aktionen oder setzt die
Schlussfolgerung fort. Dieser zyklische Prozess aus Denken, Handeln und
Beobachten wird iterativ wiederholt, bis eine Lösung erreicht ist.
Abhängig von der Aufgabe können dabei auch mehrere Reasoning-Schritte
ohne zwischenliegende Aktionen erfolgen [25].
[11]
Durch die enge Verzahnung von Reasoning und Interaktion mit der
Umgebung bietet ReAct eine hohe Flexibilität und Adaptivität, da der
Lösungsweg dynamisch an neu gewonnene Informationen angepasst werden
kann. Zudem erhöht die explizite Struktur der einzelnen Schritte die
Transparenz des Entscheidungsprozesses [25],
[26]. Die Einbindung externer Observations, etwa durch
Suchergebnisse, kann die Faktentreue verbessern und die Neigung zu
Halluzinationen im Vergleich zu reinem, internem Reasoning reduzieren
[26].
Demgegenüber stehen mehrere Nachteile. Die Ausführung zusätzlicher
Aktionen und die iterative Erweiterung des Kontexts führen zu einem
erhöhten Rechen- und Zeitaufwand sowie zu höheren Kosten [26]. Darüber
hinaus besteht ein erhöhtes Fehlerrisiko durch externe
Informationsquellen: Fehlerhafte oder veraltete Observations können zu
falschen Schlussfolgerungen führen [25]. Ebenso können
unvollständige Beobachtungen Halluzinationen begünstigen, oder der Agent
kann Tool-Ausgaben fehlerhaft interpretieren, etwa Warnungen als Fehler
missverstehen, was den weiteren Lösungsprozess negativ beeinflusst [25].
Reflection
Ein weiteres Reasoning-Pattern ist Reflection. Dabei überprüft ein
Agent nach einzelnen Zwischenschritten — etwa nach CoT – oder
ReAct-Prozessen — seine bisherigen Ausgaben auf logische Konsistenz,
Plausibilität und faktische Korrektheit. Der Agent generiert hierzu
explizites Selbstfeedback, identifiziert potenzielle Fehler oder
Ungereimtheiten und passt seine Ausgabe entsprechend an [27].
Der Ablauf von Reflection ist in [reflection] abgebildet und lässt sich wie folgt
beschreiben: Zunächst erzeugt der Agent einen Reasoning-Schritt und
produziert einen Output. Anschließend reflektiert er diesen Output,
bewertet ihn kritisch und nimmt bei Bedarf Korrekturen oder
Aktualisierungen vor. Die revidierte Version wird anschließend als
Grundlage für den nächsten Schritt verwendet. Dieser Prozess wird
iterativ fortgeführt, bis eine finale Ausgabe erreicht ist [27],
[28].
Reflection-Reasoning [11]
Reflection bietet mehrere Vorteile. Durch die wiederholte
Selbstüberprüfung können fehlerhafte Schlussfolgerungen identifiziert
und korrigiert werden, wodurch sich die Qualität der finalen Ausgabe
erhöhen kann. In geeigneten Implementierungen werden frühere Reflexionen
im weiteren Verlauf erneut berücksichtigt, sodass erkannte Schwächen
gezielt adressiert werden können. Zudem fördert Reflection ein
iteratives Verfeinern der Lösung, anstatt die erste plausible Antwort zu
akzeptieren, und unterstützt selbstständiges Debugging durch den Agenten
[28].
Gleichzeitig weist dieses Pattern relevante Limitationen auf. In
komplexen Aufgaben kann es zu sogenannten Fehlhalluzinationen kommen,
bei denen der Agent fälschlicherweise Probleme in einer eigentlich
korrekten Lösung vermutet und diese dadurch verschlechtert. Darüber
hinaus besteht die Gefahr einer “Analyse-Paralyse”, bei der sich der
Agent in wiederholter Selbstkritik ohne substanziellen Fortschritt
verliert. Zudem ist die Fähigkeit zur Selbstdiagnose begrenzt, da
Modelle Fehler in ihren eigenen Reasoning-Ketten nur unzuverlässig
erkennen. Schließlich führt die iterative Selbstüberprüfung zu einem
erhöhten Tokenverbrauch und damit zu höheren Laufzeiten und Kosten [27].
Plan-then-Execute
Ein weiteres Reasoning-Pattern ist Plan-then-Execute. Dabei handelt
es sich um ein zweistufiges Vorgehen, das explizit die Planungs- von der
Ausführungsphase trennt. Zunächst erzeugt der Agent einen strukturierten
Plan zur Lösung der Aufgabe. Anschließend wird dieser Plan in einer
separaten Phase Schritt für Schritt ausgeführt [29].
Im Unterschied zu zuvor beschriebenen Reasoning-Patterns, bei denen
Planung und Ausführung eng miteinander verschränkt oder implizit
innerhalb eines fortlaufenden Reasoning-Prozesses erfolgen [22],
[25], führt Plan-then-Execute eine klare funktionale Trennung
dieser beiden Aspekte ein [29]. Dadurch wird der
Lösungsprozess stärker strukturiert und besser kontrollierbar.
Auf diesem Grundprinzip bauen weiterführende Ansätze wie
Self-Planning und Tree-of-Thoughts auf. Diese erweitern
Plan-then-Execute hinsichtlich der Planerzeugung und der Behandlung von
Alternativen.
Self-Planning
Self-Planning ist ein Reasoning-Pattern, bei dem ein Agent
selbstständig einen detaillierten Lösungsplan für eine gegebene Aufgabe
erzeugt, wie [self_planning]
zeigt. Der Nutzer spezifiziert dabei ausschließlich das Ziel, während
der Agent die Aufgabe analysiert, in Teilaufgaben zerlegt und daraus
einen strukturierten, sequenziellen Ausführungsplan ableitet. Dieser
Plan wird anschließend ohne weitere Anpassungen schrittweise ausgeführt
[30],
[31].
Self-Planning-Reasoning [11]
Self-Planning weist spezifische Fehlermodi auf. Ein häufiges Problem
ist ein sogenannter Plan Drift, bei dem der Agent einzelne Schritte des
ursprünglich erzeugten Plans ignoriert oder abändert. Darüber hinaus
kann eine Überspezifikation des Plans die Flexibilität während der
Ausführung einschränken, während eine Unterspezifikation dazu führt,
dass der Plan zu wenig Orientierung für die Execution bietet [31].
Zu den Vorteilen von Self-Planning zählen die erhöhte
Vorhersehbarkeit und Transparenz des Lösungsprozesses, da der Plan vor
der Ausführung vollständig vorliegt und von einem Menschen überprüft
oder freigegeben werden kann. Die klare Struktur erleichtert zudem das
Debugging, da Abweichungen und Fehler eindeutig einzelnen
Planungsschritten zugeordnet werden können [30].
Demgegenüber steht ein relevanter Nachteil. Da keine Selbstkorrektur
oder adaptive Plananpassung vorgesehen ist, propagieren sich Fehler aus
der Planungsphase direkt in die Ausführung [30].
Tree-of-Thoughts
Tree-of-Thoughts (ToT) ist ein weiteres Reasoning-Pattern, das dem
Plan-then-Execute-Paradigma zugeordnet werden kann, sich jedoch von
klassischen Ansätzen durch die Erweiterung linearer Reasoning-Ketten hin
zu einer verzweigten, baumartigen Struktur unterscheidet. Der Ansatz
wurde erstmals 2023 von Yao et al. beschrieben [32]. Dabei verfolgt
der Agent nicht mehr einen einzelnen linearen Gedankengang, sondern
mehrere alternative Denkpfade, die als hierarchischer Baum von Thoughts
organisiert sind [32].
Ausgehend von einem Prompt generiert der Agent zunächst mehrere
unterschiedliche Ansatzgedanken, welche die Wurzeläste des Baums bilden,
vgl. [tot]. Für jeden dieser
Gedankengänge wird eine Bewertung vorgenommen, die dessen
Erfolgsaussichten für die endgültige Lösung angibt. Vielversprechende
Pfade werden weiter ausgeführt, während weniger geeignete verworfen
werden. Innerhalb des Baums ist Backtracking möglich, sodass der Agent
aus Sackgassen zu früheren Knoten zurückkehren und alternative Pfade
weiterverfolgen kann [32],
[33], [34].
Reasoning Pattern [11]
Durch die strukturierte Exploration mehrerer Lösungsansätze erweitert
ToT das klassische Plan-then-Execute-Prinzip um eine explizite Suche im
Lösungsraum. Der Agent plant hierbei nicht nur eine einzelne
Vorgehensweise, sondern untersucht systematisch verschiedene
Alternativen, bevor er sich für eine Lösung entscheidet [34].
Jedoch birgt auch ToT Potenzial für Fehler. Ein Problem ist eine
vorzeitige Vertiefung einzelner Pfade, bei der der Agent früh
detaillierte Optimierungen vornimmt, bevor grundlegende Lösungsansätze
ausreichend exploriert wurden [32]. Zudem können
unbalancierte oder übermäßig große Bäume entstehen, insbesondere bei
einfachen Aufgaben, bei denen der Ansatz zu unnötiger Komplexität und
erhöhter Halluzinationsanfälligkeit führt [34].
Zu den Vorteilen von ToT zählt die parallele Exploration alternativer
Lösungswege, wodurch Fehlschlüsse in einzelnen Pfaden kompensiert werden
können. Zusätzlich bietet der Ansatz eine erhöhte Kontrollmöglichkeit
für den Nutzer, da Parameter wie maximale Baumtiefe, -breite oder
Abbruchkriterien explizit vorgegeben werden können [32].
Beeinflusst wird die Qualität der Ergebnisse bei der Verwendung von
ToT durch die verwendete Bewertungsheuristik: Werden ungeeignete Pfade
fälschlich hoch bewertet, investiert der Agent Rechenressourcen in
irrelevante Teile des Suchraums. Zudem kann der Baum ohne geeignete
Begrenzungen exponentiell wachsen, was zu hohem Tokenverbrauch führt und
die Lösungssuche vorzeitig abbrechen kann, bevor ein geeignetes Ergebnis
gefunden wird [33],
[34].
Kombinationen
Die bislang betrachteten Reasoning-Patterns weisen jeweils
spezifische Limitationen und Fehlermodi auf. In der Praxis lassen sich
diese jedoch teilweise abmildern, indem verschiedene Patterns gezielt
kombiniert werden. Solche Kombinationen nutzen komplementäre Stärken
einzelner Ansätze und erhöhen dadurch Robustheit, Flexibilität und
Ergebnisqualität von Agentensystemen.
Typische Kombinationen sind unter anderem:
- ReAct + Reflection
Der Agent nutzt ReAct, um durch alternierende Reasoning- und
Action-Schritte eine Umgebung zu explorieren. Reflection wird
anschließend eingesetzt, um die erzeugten Zwischenergebnisse kritisch zu
überprüfen und Fehler zu identifizieren und die Ausgabe iterativ zu
verbessern [25],
[28]. Self-Planning + ReAct
In dieser Kombination erzeugt Self-Planning zunächst einen globalen,
strukturierten Lösungsplan [31]. ReAct übernimmt
anschließend die schrittweise Ausführung einzelner Planbestandteile und
ermöglicht dabei lokales Reasoning sowie die Einbindung zusätzlicher
Informationen aus externen Quellen [20],
[25].ToT + Reflection
ToT dient hier zur hierarchischen Zerlegung einer komplexen Aufgabe in
mehrere alternative oder parallele Teilaufgaben [32]. Jeder Knoten des
Baums wird separat bearbeitet, während Reflection zur Qualitätssicherung
auf Ebene einzelner Teilprobleme eingesetzt wird, um inkonsistente oder
fehlerhafte Zwischenergebnisse zu korrigieren [34].
Orchestrierung
Unter Orchestrierung wird die Steuerlogik eines Agentensystems oder
Frameworks verstanden, die das Zusammenspiel einzelner Agenten oder
Module koordiniert. Die Orchestrierung legt fest, welche Komponenten in
welcher Reihenfolge aktiviert werden, wie Informationen zwischen ihnen
ausgetauscht werden und unter welchen Bedingungen ein Prozess
terminiert. Sie bildet damit die zentrale Kontrollinstanz für den Ablauf
komplexer Reasoning- und Ausführungsprozesse [35].
Grundsätzlich lassen sich zwei Orchestrierungsformen unterscheiden:
Systeme mit einem einzelnen, zentralen Agenten
(Single-Agent-Orchestrierung) und Systeme mit mehreren spezialisierten
Agenten (Multi-Agent-Orchestrierung) [35].
Single-Agent-Orchestrierung
Bei der Single-Agent-Orchestrierung verarbeitet ein einzelner Agent
den gesamten Aufgabenfluss. Der Agent erhält den initialen Input, führt
internes Reasoning durch und ruft bei Bedarf externe Tools, etwa
Suchfunktionen oder Code-Ausführungen, auf. Die Ergebnisse dieser
Tool-Aufrufe werden in den internen Kontext integriert, woraufhin der
Agent seine Schlussfolgerungen iterativ aktualisiert, bis ein finales
Ergebnis erzeugt wird [35].
Die Besonderheit der Single-Agent-Orchestrierung liegt darin, dass
der Agent sämtliche klassischen Rollen innerhalb eines Projekts
übernimmt, die typische Abfolge von Prompt zu Output zeigt [single_agent]. Dazu zählen
beispielsweise die Planung und Strukturierung der Aufgabe, die Analyse
bestehender Codebasen, die Implementierung neuer Funktionalität, das
Testen von Code, die Erstellung von Dokumentation sowie die
abschließende Überprüfung und Versionierung. Diese Rollen werden
sequenziell vom gleichen Agenten ausgeführt [35].
[11]
Dieses Vorgehen weist jedoch bei hoher Komplexität Schwächen auf. Ein
zentrales Problem ist Rollenverwirrung, bei der der Agent zwischen
unterschiedlichen Aufgaben- oder Verantwortlichkeitskontexten wechselt
und dabei den ursprünglichen Zielzustand aus den Augen verliert. Darüber
hinaus besteht die Gefahr der Kontexterschöpfung: Durch lange Reasoning-
und Tool-Interaktionsketten kann das verfügbare Tokenbudget vor
Abschluss der Aufgabe aufgebraucht werden, was den Lösungsprozess
vorzeitig beendet oder qualitativ verschlechtert [35].
Multiagenten-Orchestrierung
Multi-Agent-Orchestrierung bezeichnet den architektonischen Rahmen,
der regelt, wie mehrere spezialisierte KI-Agenten interagieren und
zusammenarbeiten, um komplexe Aufgaben zu lösen [36],
[37], [38]. Wooldridge definiert Multi-Agent-Systeme als “systems
composed of multiple interacting computing elements, known as agents”,
die autonom handeln und durch Kooperation, Koordination und Verhandlung
interagieren können [39].
Die Orchestrierung umfasst drei fundamentale Mechanismen:
Aufgabenzerlegung (Task Decomposition), bei der komplexe Probleme in
spezialisierte Arbeitseinheiten unterteilt werden, Routing und
Delegation zur Zuweisung geeigneter Agenten, sowie Kontext-Management
zur Definition des Informationsflusses zwischen Agenten [36],
[37], [40].
Abgrenzung zu Single-Agenten
Single-Agent-Systeme stoßen bei zunehmender Komplexität an ihre
Grenzen [23],
[37]. Eine zentrale Limitation ist die Kontexterschöpfung: Ein
einzelner Agent muss den gesamten Kontext in einem Kontextfenster
verwalten, was bei mehrstufigen Aufgaben zu Context Narrowing führt, bei
dem relevante Informationen vergessen werden oder Halluzinationen
entstehen [41],
[42], [43]. Zudem neigt ein Agent, der alle Rollen übernehmen
muss, zum “Jack of all trades“-Problem mit generischen Ergebnissen und
schwer wartbaren, monolithischen Prompts [38],
[44].
Multi-Agent-Systeme adressieren diese Probleme durch Verteilung und
Spezialisierung [36],
[38]. Jeder Agent verwaltet nur aufgabenrelevanten Kontext, was
die Verarbeitung größerer Informationsmengen ermöglicht. Die modulare
Spezialisierung reduziert die Prompt-Komplexität stark [36],
[43], [45]. Zudem erlauben Multi-Agent-Systeme Parallelisierung,
Teilaufgaben können gleichzeitig bearbeitet werden, was die
Ausführungszeit um bis zu 33% reduzieren kann [36],
[46].
Multi-Agent-Systeme sind besonders bei zerlegbaren Aufgaben
überlegen, etwa in der Softwareentwicklung mit spezialisierten Rollen,
bei hochparallelen Forschungsaufgaben oder in Szenarien, die
Fehlerkorrektur durch Diskurs erfordern [36],
[45], [47], [48].
Topologien und Kontrollübergabe-Mechanismen
Multi-Agent-Architekturen werden durch zwei Dimensionen bestimmt:
Topologien definieren die strukturelle Anordnung und Kommunikationswege,
während Kontrollübergabe-Mechanismen regeln, wie die
Ausführungsverantwortung wechselt.
Topologien
Sequential/Chain Pattern
Das Sequential- oder Chain-Pattern ([sequential]) definiert eine Architektur, bei der
Agenten in einer vordefinierten, linearen Reihenfolge agieren. Das
Kernmerkmal ist die Input-Output-Verkettung: Die Ausgabe eines Agenten
dient unmittelbar als Eingabe für den nachfolgenden Agenten in der
Sequenz. Der Ablauf ist deterministisch, die Reihenfolge ist fest und
wird im gegensatz zu anderen Topologien nicht zur Laufzeit durch ein
Orchestrierungsmodell entschieden. Dieses Muster lässt sich mit dem
“Pipes and Filters“-Entwurfsmuster oder einer industriellen Montagelinie
vergleichen, bei der Aufgaben wie am Fließband weitergereicht werden
[36],
[37], [44].
[11]
Der Ablaufprozess folgt einem strikten, linearen Ablauf, die sich in
drei Hauptphasen unterteilt. In der Initialisierungsphase wird die
Gesamtaufgabe in diskrete, sequenzielle Schritte zerlegt, wobei der Pfad
bereits vor der Ausführung feststeht. Die sequenzielle Ausführung
erfolgt durch unidirektionalen Datenfluss: Jeder Agent empfängt die
Ausgabe des vorherigen Agenten, führt eine spezialisierte Transformation
durch und gibt das Ergebnis weiter. Die Informationsweitergabe erfolgt
durch verschiedene Mechanismen: direkte Input-Output-Verkettung,
Carryover-Mechanismen, bei denen eine Zusammenfassung des
vorangegangenen Dialogs weitergegeben wird, oder durch geteilte Speicher
(Shared State/Blackboard), auf die nachfolgende Agenten zugreifen. Der
Prozess endet, wenn der letzte Agent seine Aufgabe abgeschlossen hat
[36],
[37], [44], [49].
Das Pattern eignet sich besonders für Aufgaben mit klaren, linearen
Abhängigkeiten, bei denen der Output eines Schrittes zwingend als Input
für den nächsten erforderlich ist [36],
[37]. Das ChatDev Framework simuliert dazu sequenzielle Phasen
wie Design, Codierung, Testen, Dokumentation, ähnlich zum
Wasserfall-Modell in der Softwareentwicklung [50].
Das Pattern bietet progressive Verfeinerung durch schrittweise
Qualitätssteigerung, wobei iterative Bearbeitung Fehler und
Halluzinationen reduziert [36],
[50], [51]. Die deterministische Steuerung eliminiert
Unsicherheit über die Ausführungsreihenfolge und stellt sicher, dass
kritische Schritte nicht übersprungen werden [36],
[37]. Da keine zusätzlichen LLM-Aufrufe für
Routing-Entscheidungen erforderlich sind, sinken Latenz und Kosten im
Vergleich zu dynamischeren Mustern [37]. Die lineare Struktur
ermöglicht klare Data Lineage und Traceability, wodurch Fehlerquellen
besser lokalisiert werden können [44]. Bei langen Kontexten
ermöglicht es die Überwindung von Kontextfenster-Limits durch
sequenzielle Chunk-Verarbeitung, wobei nur relevante Erkenntnisse
weitergereicht werden [52].
Das kritischste Risiko ist die Fehlerfortpflanzung: Ein Fehler in
einer frühen Phase pflanzt sich durch die gesamte Kette fort, da
nachfolgende Agenten auf falschen Prämissen weiterarbeiten [36],
[37], [53]. Die statische Architektur verhindert dynamische
Anpassungen zur Laufzeit und kann Schritte nicht überspringen, selbst
wenn diese unnötig sind [36],
[37]. Die lineare Ausführung addiert die Latenzen aller Schritte,
wobei der langsamste Agent zum Bottleneck wird und keine
Parallelverarbeitung möglich ist [40],
[43]. Bei langen Ketten tritt außerdem Context Rot auf, wenn das
Kontextfenster zu voll ist und frühere Informationen verloren gehen
[42],
[53]. Zudem führt der Ausfall eines einzelnen Agenten zum
Zusammenbruch des gesamten Workflows, da es keine Redundanz oder
alternativen Pfade gibt [36],
[40].
Parallel Pattern
Das Parallel Pattern ([concurrent]) (auch Concurrent Orchestration oder
Fan-out/Fan-in-Muster) ist eine Architektur, bei der mehrere
spezialisierte Agenten Aufgaben gleichzeitig und unabhängig voneinander
bearbeiten. Das Muster zielt primär darauf ab, Latenzzeiten zu
reduzieren und diverse Perspektiven zu integrieren [36],
[37], [44].
Der Ablaufprozess unterteilt sich in drei Hauptphasen. Die
Initialisierung (Fan-out) erfolgt durch einen Orchestrator, der die
Anfrage analysiert und entweder eine komplexe Aufgabe in unabhängige
Teilaufgaben zerlegt oder die Aufgabe für verschiedene Perspektiven
repliziert. Die Befehlsverteilung kann deterministisch nach fest
codierter Logik oder dynamisch durch semantisches Routing erfolgen. In
der Ausführungsphase arbeiten die Agenten asynchron parallel, wobei
jeder Agent seinen Befehl isoliert verarbeitet. Da alle Agenten
gleichzeitig arbeiten, entsteht eine hohe momentane
Ressourcenauslastung, die jedoch die Gesamtlaufzeit drastisch reduziert.
Die Aggregationsphase (Fan-in) sammelt die Ergebnisse über einen
Collector oder Synthesizer-Agenten, der typischerweise wartet, bis alle
Agenten geantwortet haben oder ein Timeout erreicht ist. Die Synthese
erfolgt durch Konsolidierung unterschiedlicher Teilinformationen,
Voting-Mechanismen bei identischen Problemstellungen oder
Konfliktlösungsstrategien bei widersprüchlichen Ergebnissen [36],
[37], [40].
In der Softwareentwicklung wird das Pattern unter anderem für
automatisierten Code-Review eingesetzt, bei dem ein Security Auditor,
Style Enforcer und Performance Analyst denselben Code simultan prüfen.
Moderne Tools wie Cursor 2 oder Claude Code nutzen Hintergrundagenten
zur parallelen Feature-Entwicklung, etwa gleichzeitige UI-Verfeinerung
und Backend-Optimierung [36].
Das Pattern reduziert Latenz stark, da die Gesamtdauer nur durch den
langsamsten Agenten bestimmt wird und nicht durch die Summe aller
Arbeitsschritte. Experimente zeigten Zeitreduzierungen um 70-75% bei
komplexen Diagnoseaufgaben. Durch Ensemble Reasoning entstehen
vielseitige Perspektiven, wobei spezialisierte Agenten umfassendere
Problemraumabdeckung erreichen als Generalisten [36],
[40], [54], [55]. Voting-Mechanismen filtern Halluzinationen
einzelner Modelle heraus, da multiple Agenten selten denselben Fehler
halluzinieren [45]. Die
Kontext-Isolierung ermöglicht jedem Agenten ein frisches Kontextfenster,
was Context Pollution verhindert [56]. Zudem bietet die lose Kopplung
Robustheit durch Graceful Degradation, wobei der Ausfall eines Agenten
nicht zwingend zum Systemausfall führt [36],
[40], [43], [57].
Das Pattern verursacht hohe Ressourcenintensität durch massiven
Token-Verbrauch, da mehrere Agenten gleichzeitig mit vollständigen
Kontexten arbeiten [37], [48]. Studien
quantifizieren redundante Token-Verarbeitung von 53-86% [58]. Burst Loads
bei paralleler Ausführung führen zu Lastspitzen, die schnell zu
API-Rate-Limits führen können [58]. Die Aggregationskomplexität
erfordert aufwendige Konfliktlösungsstrategien bei widersprüchlichen
Agentenantworten [36],
[37], [40]. Race Conditions treten auf, wenn mehrere Agenten
gleichzeitig auf geteilten Speicher zugreifen, was zu Datenkorruption
führen kann [36],
[44], [53], [55]. Das Straggler-Problem limitiert die
Geschwindigkeit auf den langsamsten Agenten, wobei Timeouts oder endlose
Schleifen den gesamten Aggregationsprozess blockieren können [40],
[55]. Zudem ist das Pattern ungeeignet für abhängige Aufgaben,
bei denen Schritt B zwingend auf dem Ergebnis von Schritt A aufbauen
muss [36].
Hierarchical Pattern
Das Hierarchical oder Supervisor Pattern ([hierarchical]) definiert eine geschichtete Struktur von
Agenten zur Bewältigung komplexer Aufgaben. Die Architektur organisiert
Agenten in einer Baumstruktur mit 2 oder mehr Ebenen: Ein
Top-Level-Agent (Root/Manager) verwaltet das übergeordnete Ziel und
zerlegt komplexe Aufgaben in kleinere Teilaufgaben, Mid-Level-Agenten
fungieren als spezialisierte Teamleiter oder Koordinatoren für bestimmte
Domänen und Worker-Agenten auf der untersten Ebene führen die konkreten
Aufgaben aus [37],
[38], [59], [60]. Der Informationsfluss erfolgt bidirektional:
Top-Down fließen Entscheidungen und Aufgabenanweisungen kaskadenartig
durch die Hierarchie, während Bottom-Up Informationen und Ergebnisse
aggregiert werden, wobei jede Ebene die Komplexität für die
darüberliegende Ebene abstrahiert [59]. Ein
wesentlicher Aspekt ist die temporale Hierarchie, bei der höhere Ebenen
strategische Entscheidungen mit langem Zeithorizont treffen, während
niedrigere Ebenen kurzfristige, reaktive Entscheidungen ausführen [59].
Der Ablaufprozess basiert auf dem Divide-and-Conquer-Prinzip durch
rekursive Aufgabenzerlegung. Der Top-Level-Agent analysiert die
Anforderung und zerlegt sie in kleinere, handhabbare Teilaufgaben, die
an Mid-Level-Agenten weitergegeben werden. Diese zerlegen sie bei Bedarf
weiter, bis die Aufgaben einfach genug für spezialisierte Worker-Agenten
sind [37],
[57]. Die Delegation erfolgt hierarchisch und rollenbasiert durch
Kaskadierung, wobei Mid-Level-Agenten als Orchestratoren für ihren
Teilbaum fungieren [57],
[61]. Der Supervisor überwacht den Fortschritt, validiert
Ausgaben und stellt sicher, dass Aufgaben in der richtigen Reihenfolge
ausgeführt werden [38],
[54], [57]. Zur Kontextverwaltung arbeiten Sub-Agenten oft mit
eigenem, vom Haupt-Thread getrenntem Kontextfenster, was die Gefahr der
Context Pollution verringert [56], [62].
In der Softwareentwicklung simulieren Frameworks wie MetaGPT oder
ChatDev virtuelle Software-Firmen, bei denen ein CEO/Projektmanager an
spezialisierte Rollen wie Architekten, Ingenieure und QA-Ingenieure
delegiert [50],
[63], [64]. Bei umfangreichen Code-Migrationen erstellt ein
Hauptagent eine To-Do-Liste und spawnt Sub-Agenten, die Datei-Batches
parallel bearbeiten [56], [62].
Das Pattern bewältigt Komplexität durch Abstraktion, wobei höhere
Ebenen Entscheidungen auf Basis verdichteter Daten treffen und
Information Hiding die kognitive Belastung reduziert [43],
[59]. Die Skalierbarkeit wird durch Aufteilung der Kontrollspanne
erreicht: Zwischenebenen verhindern, dass ein einzelner Manager zum
Flaschenhals wird, wodurch das System auf Hunderte von Agenten skalieren
kann [38],
[59]. Die temporale Hierarchie ermöglicht Trennung von
Entscheidungen nach Zeithorizonten, wobei höhere Ebenen strategisch
planen, während untere Ebenen reaktiv agieren [59].
Modularität und Spezialisierung erlauben saubere Trennung von
Verantwortlichkeiten, wobei ganze Zweige als spezialisierte Teams
fungieren [43],
[57]. Die strukturierte Koordination mit klaren
Autoritätsbeziehungen vermeidet Entscheidungsparalysen und reduziert
Kommunikationsrauschen durch Beschränkung auf vertikale Pfade [59].
Manager-Agenten werden bei zu vielen untergeordneten Agenten zum
Bottleneck und stellen einen Single Point of Failure dar, wobei ihr
Ausfall den gesamten Workflow oder entsprechende Zweige funktionsunfähig
macht [43]. Die
Multi-Hop-Latenz erhöht Antwortzeiten durch notwendige Weiterleitung
über mehrere Ebenen [36],
[37], [43]. Der Koordinationsaufwand verursacht hohen
Token-Verbrauch durch Zwischenschritte und Statusberichte, wobei
Multi-Agenten-Systeme bis zu 15-mal mehr Token als Einzelagenten
verbrauchen können [48]. Bei einfachen Aufgaben übersteigen
die Koordinationskosten den Nutzen [36],
[65]. Informationsverlust tritt auf, wenn untergeordnete Agenten
ihre Ergebnisse zusammenfassen und kritische Details verloren gehen
[53],
[65]. Planungsfehler des Root-Agenten kaskadieren durch das
gesamte System, da alle nachgelagerten Agenten an falschen Teilaufgaben
arbeiten [36],
[40], [53]. Studien zeigen, dass Produktionssysteme Fehlerraten
zwischen 41% und 86,7% aufweisen können, wobei ein Großteil auf
Spezifikations- und Koordinationsprobleme zurückzuführen ist [63],
[66].
Groupchat Pattern
Das Groupchat Pattern ([groupchat]) ist ein Orchestrierungsmuster, bei dem
mehrere spezialisierte Agenten gemeinsam in einem geteilten
Konversationsstrang interagieren, um komplexe Probleme zu lösen,
Entscheidungen zu treffen oder Arbeitsergebnisse zu validieren. Das
zentrale Merkmal ist ein geteilter Kommunikationskanal (Thread), in dem
alle teilnehmenden Agenten sowie optional menschliche Teilnehmer den
vollständigen Gesprächsverlauf einsehen können. Die Koordination erfolgt
durch einen Group Chat Manager, der basierend auf dem aktuellen Kontext
und der Historie entscheidet, welcher Agent als Nächstes sprechen darf.
Dieser Manager kann regelbasiert oder als eigener Agent implementiert
werden. Das Muster unterstützt verschiedene Interaktionsmodi:
kollaboratives Brainstorming, wobei Agenten mit unterschiedlichen
Perspektiven auf Beiträgen anderer aufbauen, strukturierte Debatten zur
Konsensfindung sowie Maker-Checker-Loops als iterative Zyklen zwischen
Ersteller und Prüfer [36],
[67].
Der zyklische Ablaufprozess beginnt mit der Initialisierung, bei der
eine Benutzeranfrage an den Group Chat Manager gesendet wird und
spezialisierte Agenten in einem gemeinsamen Chat-Raum instanziiert
werden. In der Sprecherauswahl analysiert der Manager den
akkumulierenden Chat-Verlauf und entscheidet basierend auf einer
Routing-Strategie, welcher Agent als Nächstes sprechen darf [36],
[68]. Die Auswahlstrategien variieren zwischen AutoPattern für
dynamische, kontextbasierte Entscheidungen, Round Robin für zyklische
Reihenfolge und regelbasierten Handoffs für explizite Übergaben [68],
[69]. In der Ausführungsphase liest der ausgewählte Agent den
Chatverlauf, führt seine spezifische Aufgabe aus und sendet das Ergebnis
zurück in den gemeinsamen Thread [36],
[67]. Der Prozess tritt in eine Iterationsschleife ein, wobei der
Manager den neuen Zustand bewertet und zur Sprecherauswahl zurückkehrt.
Die Terminierung erfolgt durch Zielerreichung, explizite
TERMINATE-Nachrichten oder maximale Rundenbegrenzungen zur Vermeidung
von Endlosschleifen [36],
[55], [68].
Die dynamische, LLM-basierte Auswahl (AutoPattern) bietet hohe
Flexibilität und Kontext-Sensitivität, verursacht jedoch hohe Kosten und
Latenz sowie das Risiko von Endlosschleifen [36],
[68]. Round Robin garantiert Fairness und einfache
Implementierung bei niedrigem Overhead, führt jedoch zu Ineffizienz
durch unnötige Beiträge und mangelnder Anpassungsfähigkeit [68],
[69], [70]. Random Selection fördert Diversität in
Brainstorming-Szenarien, erzeugt aber Chaos und Unvorhersehbarkeit [68],
[69], [70]. Manuelle Regeln und Handoffs bieten Kontrolle und
Sicherheit für kritische Prozesse, leiden aber unter Starrheit und hohem
Wartungsaufwand [47].
In der Softwareentwicklung simuliert ChatDev virtuelle
Entwicklungsteams mit Rollen wie Coder, Reviewer und Tester, die
iterativ zusammenarbeiten, bis Code fehlerfrei läuft [50].
Das Pattern steigert Lösungsqualität durch Diversity of Thought,
wobei strukturierte Debatten Halluzinationen reduzieren und
Cross-Reflection Fehlerkorrektur ermöglicht [45],
[71]. Dynamische Sprecherauswahl erlaubt flexible Anpassung an
unerwartete Probleme zur Laufzeit. Der geteilte Kontext verhindert
Informationsverlust und bietet vollständige Auditierbarkeit aller
Interaktionen [59],
[68]. Maker-Checker-Loops ermöglichen iterative
Qualitätssteigerung durch stetige Verbesserung [36]. Die
modulare Erweiterbarkeit erlaubt Hinzufügen neuer Fähigkeiten durch
spezialisierte Agenten, ohne bestehende zu ändern, wobei Menschen
nahtlos als weitere Teilnehmer integriert werden können [36],
[38], [68]. Studien zeigen, dass spezialisierte
Rollenaufteilungen bei steigender Aufgabenschwierigkeit deutlich bessere
Ergebnisse liefern als andere Methoden [45],
[72].
Der massive Ressourcenverbrauch führt zu bis zu 15-fach höherem
Token-Verbrauch als Einzelagenten [48] mit Duplikationsraten von 53-86%
[58], wobei
der Koordinations-Overhead zu Leistungsverschlechterungen von 39-70%
führen kann [65]. Die
Diskussions-Latenz macht das Pattern für Echtzeitanwendungen ungeeignet
[36],
[54]. Infinite Loops können durch gegenseitiges Danken oder
wiederholte Fragen ohne Abbruchbedingungen entstehen [36],
[53], [63]. Die Skalierbarkeit ist begrenzt, es wird empfohlen,
Gruppen auf drei oder weniger Agenten zu beschränken [71].
Context Window Overflow und Lost-in-the-Middle-Phänomene treten bei
langen Threads auf [42],
[52]. Theory of Mind Collapse führt dazu, dass Agenten
Informationen zurückhalten oder falsche Annahmen über das Wissen anderer
treffen [63]. Bei einfachen
Aufgaben führt Overthinking zu schlechteren Ergebnissen als
Einzelagenten [65],
[72]. Wird ein zentraler Manager eingesetzt stellt dieser einen
Single Point of Failure dar [36],
[43].
Hybrid-Architekturen
Hybrid-Architekturen können genutzt werden, wenn einzelne Topologien
an ihre Grenzen stoßen. Sie kompinieren unterschiedliche Topologien, um
spezifische Probleme zu lösen, in dem die stärken der Topologien
kompiniert werden [36],
[43], [60].
Die Kombination aus Manager und Sequential Workers implementiert
Chained Task Sequencing. Ein Orchestrator delegiert eine Sequenz von
Befehlen und ist zwischen den Schritten für Kontrolle und Validierung
zuständig ist [40]. Das Framework
AgentGroupChat-V2 zerlegt Benutzeranfragen in hierarchische
Aufgabenbäume, wobei Aufgaben ohne Abhängigkeiten an verschiedene Group
Manager verteilt und diese dann parallel ausgeführt werden [72].
Sequential mit Groupchat-Phasen wird in ChatDev implementiert, das
sequentielle Phasen (Design → Coding → Testing) nutzt, wobei innerhalb
jeder Phase Instruktor-Assistent-Paarungen oder Gruppendiskussionen zur
Konsensfindung stattfinden [50]. Das
Framework MetaGPT nutzt Standard Operating Procedures zur sequentiellen
Strukturierung und weist diese einem Team aus spezialisierten Rollen zu,
die Ergebnisse validieren und weitergeben [45],
[47].
Es empfiehlt sich, verschiedene Phasen eines Workflows mit
unterschiedlichen Topologien umzusetzen: sequentielle Orchestrierung für
Datenaufbereitung mit Abhängigkeiten, parallele Muster für unabhängige
Analysen und hierarchische Strukturen für komplexe Dekomposition [36],
[37]. Zur Entwicklung solcher Architekturen bietet sich ein
iteratives Vorgehen an: Zuerst startet man mit einfachen
konfigurationsbasierten Mustern wie Supervisor und erst bei Bedarf geht
man zu komplexen Orchestrierungen über [54]. Ein einzelner Agent
ist oft effektiver und kostengünstiger als komplexe Systeme, wenn die
Aufgabe keine parallele Verarbeitung oder spezialisierte Rollen
erfordert [36],
[58]. Das Framework ARG-Designer implementiert dynamische
Generierung solcher Architekturen, statt statischer Templates und
vermeidet so redundante Agenten durch autoregressive Generierung der
Kollaborations-Topologie für jede Anfrage [73]. Damit nicht jeder
Ausfall eines einzelnen Agenten zum Systemabsturz führt, sollten Failure
Isolation techniken, wie Circuit Breakers oder Graceful Degradation,
implementiert werden [36],
[40].
Kontrollübergabe-Mechanismen
Während die Topologien von Multi-Agenten-Systemen den strukturellen
Rahmen der Agenten-Interaktion definieren, bestimmen
Kontrollübergabe-Mechanismen die operativen Regeln, nach denen
Entscheidungsbefugnisse, Aufgaben und Ressourcen zwischen den Agenten
koordiniert und transferiert werden [74]. Die
Effektivität eines Multi-Agenten-Systems hängt maßgeblich davon ab, wie
präzise diese Mechanismen auf die Charakteristika der zu lösenden
Aufgabe abgestimmt sind [43],
[57]. Kontrollübergabe-Mechanismen bilden das Bindeglied zwischen
der abstrakten Systemarchitektur und der konkreten Ausführung von
Aufgaben, indem sie festlegen, welcher Agent zu welchem Zeitpunkt die
Kontrolle ausübt und wie die Übergabe an nachfolgende Agenten erfolgt.
Die Wahl des geeigneten Mechanismus beeinflusst fundamentale
Systemeigenschaften wie Latenz, Skalierbarkeit, Ressourcenallokation und
die Robustheit gegenüber Ausfällen [45],
[54].
Im Folgenden werden vier zentrale Kontrollübergabe-Mechanismen
systematisch analysiert:
Subagent-Mechanismus
Der Subagent-Mechanismus stellt ein Architekturmuster dar, bei dem
ein übergeordneter Agent Teilaufgaben an spezialisierte Subagenten
delegiert, die unabhängig parallel operieren und ihre Ergebnisse an den
übergeordneten Agenten zurückmelden [56],
[62], [75].
Der Subagent-Mechanismus eignet sich besonders für die hierarchische
Topologie, wobei Entscheidungen von oben nach unten kaskadieren, während
Informationen und Ergebnisse von unten nach oben fließen [43]. Ein zentrales
Merkmal ist die Kapselung und Kontext-Isolation: Subagenten operieren in
einem eigenen, isolierten Kontextfenster oder einer separaten Sitzung
und erben nicht zwingend den gesamten Konversationsverlauf des
Hauptagenten, sondern erhalten ausschließlich die für ihre spezifische
Aufgabe relevanten Informationen [43],
[56], [62], [76]. Der Hauptagent übernimmt die Rolle eines
Synthesizers und wartet typischerweise auf die Fertigstellung der
Aufgaben durch die Subagenten, um die Teilergebnisse zu einer
Gesamtlösung zu aggregieren [40],
[43], [75]. Die funktionale Spezialisierung der Subagenten
ermöglicht es, dass diese als Experten für eng umgrenzte Domänen agieren
und über spezifische Werkzeuge verfügen, die dem Hauptagenten nicht
direkt zur Verfügung stehen müssen [38],
[40], [56].
Die Vorteile des Subagent-Mechanismus liegen primär in seiner
Skalierbarkeit, da er die Bewältigung komplexer Probleme ermöglicht,
welche die Kapazität eines einzelnen Agenten hinsichtlich Kontextfenster
oder Reasoning-Fähigkeit übersteigen würden [37],
[48], [62]. Die Kontext-Effizienz wird durch die Auslagerung von
Aufgaben in separate Subagenten gewährleistet, wodurch das
Kontextfenster des Hauptagenten nicht mit Details der Zwischenschritte
überfrachtet wird [48], [56]. Zudem ermöglicht
die Parallelisierung unabhängiger Teilaufgaben durch verschiedene
Subagenten eine Erhöhung des Durchsatzes [44],
[75].
Als Nachteile sind die erhöhte Latenz durch mehrschichtige
Kommunikation und Koordination zu nennen, insbesondere wenn der
Hauptagent sequenziell auf Ergebnisse warten muss [36],
[40], [43], [48], [53], [57]. Der Einsatz mehrerer Agenten
vervielfacht den Token-Verbrauch im Vergleich zu monolithischen
Ansätzen, was die Kosten erhöht. Darüber hinaus kann der zentrale
Orchestrator oder Hauptagent als Single Point of Failure zum
Flaschenhals werden, dessen Ausfall den gesamten Prozess gefährdet [37],
[43], [48], [58].
Handoff-Mechanismus
Der Handoff-Mechanismus bezeichnet die explizite, dynamische Übergabe
der Kontrolle von einem aktiven Agenten zu einem anderen. Diese Übergabe
wird häufig durch Werkzeugaufrufe realisiert, die eine Zustandsvariable
ändern, wodurch der Gesprächsfluss an einen spezialisierten Agenten
weitergeleitet wird [36],
[77].
Beim Handoff-Mechanismus verändert sich das Verhalten dynamisch
basierend auf dem aktuellen Zustand des Systems [77]. Die Agenten agieren als Knoten in
einem Graphen, wobei Kanten die möglichen Übergänge repräsentieren,
ähnlich wie bei einem Automaten [43],
[77], [78]. Die explizite Routing-Entscheidung wird nicht von
einem Router getroffen, sondern vom Agenten selbst, der aktiv
entscheidet, dass er nicht mehr zuständig ist oder seine
Kapazitätsgrenze erreicht hat und den Transfer initiiert [36]. Ein
fundamentales Merkmal ist die sequenzielle Exklusivität: Zu einem
Zeitpunkt ist in der Regel immer nur ein Agent aktiv und interagiert
direkt mit dem Nutzer, bis ein Handoff erfolgt [36],
[77]. Handoffs können an Validierungsbedingungen geknüpft sein,
beispielsweise muss eine bestimmte Information vorliegen, bevor an einen
spezialisierten Agenten übergeben wird [77].
Die Vorteile des Handoff-Mechanismus liegen in der Gewährleistung von
Spezialisierung, da Aufgaben stets vom qualifiziertesten Experten
bearbeitet werden, ohne dass ein monolithischer Agent alle Fähigkeiten
besitzen muss [36]. Klare
Verantwortlichkeiten verhindern Rollenkonfusion, da Agenten explizite
Grenzen haben und Aufgaben abgeben müssen, die außerhalb ihrer Kompetenz
liegen [36],
[53]. Zudem ermöglicht der Mechanismus eine präzise
Prozesssteuerung durch die Durchsetzung strenger sequenzieller Abläufe
in Geschäftsprozessen [36],
[77].
Als Nachteil ist das Risiko von Endlosschleifen zu nennen, bei denen
Agenten Aufgaben immer wieder hin- und herreichen, wenn Zuständigkeiten
nicht eindeutig sind oder Fehler auftreten [36]. Bei der
Übergabe kann kritischer Kontext verloren gehen, wenn dieser nicht
explizit und strukturiert an den nachfolgenden Agenten übermittelt wird
[42],
[53], [77]. Falsche Klassifizierungen der Nutzerabsicht können zu
suboptimalem Routing und frustrierenden Nutzererfahrungen durch unnötige
Handoffs führen [36].
Round Robin-Mechanismus
Round Robin ist ein deterministischer Algorithmus zur
Ressourcenzuweisung oder Gesprächssteuerung, bei dem Agenten in einer
festen, zyklischen Reihenfolge aktiviert werden oder Zugriff auf einen
Kommunikationskanal erhalten [69].
Die Reihenfolge der Interaktion ist starr und vorhersagbar und
basiert nicht auf dem Inhalt der Aufgabe oder der aktuellen
Dringlichkeit. Dieser Mechanismus garantiert, dass jeder Agent die
Möglichkeit erhält, beizutragen oder Ressourcen zu nutzen, wodurch das
Verhungern einzelner Agenten verhindert wird. Konfliktvermeidung wird
dadurch erreicht, dass zu jedem Zeitpunkt klar definiert ist, welcher
Agent senden oder agieren darf, wodurch Datenkollisionen in geteilten
Medien vermieden werden. Ein weiteres Merkmal ist die Dezentralisierung,
da kein komplexer zentraler Entscheidungsträger notwendig ist, der die
Fähigkeiten der Agenten bewertet; die Logik folgt einem simplen
Rotationsprinzip [69].
Die Vorteile des Round Robin-Mechanismus liegen in seiner
Einfachheit, da er leicht zu implementieren ist und einen geringen
algorithmischen Overhead aufweist. Die ausgewogene Beteiligung stellt
sicher, dass alle Perspektiven in einer Diskussion gehört werden, ohne
dass dominante Agenten den Diskurs übernehmen. Er ist robust gegen
komplexe Entscheidungsfehler, da keine intelligente Routing-Logik
erforderlich ist [69].
Als Nachteil ist die Ineffizienz zu nennen, da Agenten auch dann
aufgerufen werden, wenn sie keinen relevanten Beitrag leisten können,
was zu unnötigem Kommunikationsaufwand und Zeitverlust führt. Die
mangelnde Priorisierung führt dazu, dass dringende Aufgaben oder Agenten
mit kritischem Wissen warten müssen, bis sie an der Reihe sind, was die
Latenz erhöht. Skalierbarkeitsprobleme entstehen dadurch, dass die
Wartezeit für jeden einzelnen Agenten linear mit der Anzahl der
Teilnehmer im System wächst [69].
Eignung der Mechanismen in verschiedenen Topologien
Der Subagent-Mechanismus passt sowohl zur hierarchischen Topologie,
da er auf Top-Down-Zerlegung und Bottom-Up-Aggregation basiert und damit
eine explizite Hierarchie erfordert. Die zentrale Koordination durch
einen Hauptagenten entspricht der zentralisierten Architektur mit einem
steuernden Orchestrator. Als auch zu parallelen Topologien, da hier
unabhängige Teilaufgaben paralell bearbeitet werden.
Der Handoff-Mechanismus wird in sequenziellen oder Chain-basierten
Topologien eingesetzt, da die explizite Kontrollübergabe zwischen
Agenten eine lineare Prozesskette voraussetzt. Die zustandsbasierte
Weiterleitung eignet sich für Szenarien, in denen spezialisierte Agenten
nacheinander aktiviert werden müssen, um verschiedene Phasen eines
Prozesses zu durchlaufen. In Groupchat-Topologien kann der
Handoff-Mechanismus zur dynamischen Speaker-Selection eingesetzt werden,
wobei die Kontrolle gezielt an den nächsten relevanten Agenten übergeben
wird.
Der Round Robin-Mechanismus ist für Groupchat-Topologien geeignet, in
denen eine faire und ausgewogene Beteiligung aller Agenten gewährleistet
werden soll. Die zyklische Aktivierung verhindert, dass einzelne Agenten
die Diskussion dominieren und bezieht alle Perspektiven systematisch
ein. Für zeitkritische Anforderungen oder Topologien mit Priorisierung
eignet sich der Mechanismus weniger, da die feste Reihenfolge keine
dynamische Anpassung an den Systemzustand erlaubt, um unpassende Agenten
zu überspringen.
Die Eignung eines Kontrollübergabe-Mechanismus darf nicht isoliert
betrachtet werden, sondern muss immer im Kontext der Aufgabenstruktur
und der gewählten Topologie evaluiert werden. Die sequenzielle
Unabhängigkeit einer Aufgabe und der erforderliche
Kommunikationsoverhead sind entscheidende Faktoren, die über die Wahl
des optimalen Mechanismus entscheiden.
Fazit und Ausblick
Übergreifende Erkenntnisse
Die Analyse der Architektur-Patterns, Reasoning-Patterns und
Memory-Systeme von KI-Agenten zeigt drei übergreifende Erkenntnisse, die
über einzelne technische Komponenten hinausgehen.
Erstens wird deutlich, dass die Wahl des Orchestrierungsmodells die
Kernentscheidung für die Gesamtarchitektur darstellt.
Single-Agent-Systeme bieten Einfachheit, stoßen jedoch bei wachsender
Komplexität auf Kontexterschöpfung und Rollenverwirrung. Multi-Agent-
und hierarchische Systeme adressieren diese Limitationen durch
Spezialisierung und Parallelisierung, führen jedoch neue
Herausforderungen in der Koordination und Fehlervermeidung ein. Die Wahl
determiniert nicht nur die unmittelbare Implementierungskomplexität,
sondern auch operative Anforderungen für produktive Systeme.
Zweitens zeigt sich ein fundamentaler Trade-off zwischen
Spezialisierung und Generalisierung bei der Agent-Konzeption:
Spezialisierte Agenten erreichen höhere Präzision für definierte
Aufgabenklassen, sind jedoch weniger flexibel und nur eingeschränkt auf
andere Domänen übertragbar, während generalistische Agenten zwar breiter
einsetzbar, aber anfälliger für Fehler und suboptimale Leistung sind
[79],
[80]. Eine systematische Designmethodologie für diese Balance
fehlt bislang in der Literatur.
Drittens wird sichtbar, dass Transparenz und durchgängige
Observability eine Infrastruktur-Anforderung für produktionsreife
Agentensysteme darstellen [81], [82]. Da
Agenten durch nichtdeterministische Reasoning-Prozesse agieren, sind
traditionelle Monitoring-Ansätze (Logs, Metriken) unzureichend [81],
[83], [84]. Die Nachvollziehbarkeit von Reasoning-Schritten,
Tool-Aufrufen und Fehlerfortpflanzung wird zum kritischen Erfolgsfaktor
für Debugging, Vertrauensaufbau und kontinuierliche Verbesserung [81],
[82], [83].
Offene Forschungsfragen
Trotz der umfassenden Betrachtung der Agent-Architekturen existieren
mehrere Forschungslücken, die für praktische Einsätze in der
Softwareentwicklung relevant sind.
Verification und Formal Methods für Agent Reasoning
Ein zentrales Problem liegt in der Verifizierbarkeit von
agentgenerierten Reasoning-Schritten. Reasoning-Patterns wie
Chain-of-Thought oder Tree-of-Thoughts verbessern zwar die
Lösungsqualität, machen aber die Anzahl und Komplexität der
Zwischenschritte größer, ohne dass diese formal überprüfbar wären [85],
[86]. Weder das Modell selbst noch externe Monitoring-Werkzeuge
können zuverlässig feststellen, ob eine Reasoning-Kette logisch
konsistent und faktisch korrekt ist [87]. Erste Ansätze
kombinieren LLMs mit formalen Verifikatoren, etwa Theorem-Provern oder
SMT-Solvern, sowie interaktiven Beweissystemen wie Lean4, um
natürlichsprachliche Erklärungen oder Code formal zu prüfen [86],
[88], [89]. Diese Arbeiten fokussieren jedoch auf eng abgegrenzte
Domänen. Für die Code-Generierung durch Agenten – einen
Kernanwendungsfall dieser Arbeit – fehlen standardisierte Frameworks zur
formalen Verifikation der Agentenausgaben [90]. Eine
Forschungsaufgabe liegt in der Entwicklung von Verification-Frameworks,
die sowohl die Reasoning-Kette als auch den generierten Code
automatisiert auf Korrektheit überprüfen und in bestehende
Softwareentwicklungsprozesse integrierbar sind.
Error Propagation in Multi-Agent-Orchestrierungen
Ein wiederkehrendes Problem bei Multi-Agent-Systemen ist die
Fehlerfortpflanzung über mehrere Orchestrierungsphasen hinweg [81],
[83]. Besonders bei Sequential-Pattern-Orchestrierungen führt ein
Fehler in einer frühen Phase, etwa ein suboptimaler Plan bei
Self-Planning, dazu, dass nachfolgende Agenten auf fehlerhaften
Prämissen aufbauen und Fehler verstärken, statt sie zu korrigieren [83],
[91]. Analysen von Halluzinationen und Fehlverhalten in
agentischen Systemen zeigen, dass solche Fehlerketten schwer zu
detektieren sind und sich über mehrere Tools und Agenten hinweg
fortsetzen können [58], [81].
Spezialisierte Ansätze wie Critic Agents, Validator-Agenten oder
kollaborative Verifikationsstrategien verbessern die Robustheit, bleiben
aber überwiegend ad-hoc und domänenspezifisch [85],
[87]. Eine Forschungsaufgabe liegt in der Entwicklung von
Error‑Localization‑ und Bounded‑Propagation‑Strategien, die kritische
Fehlerquellen automatisch identifizieren, deren Auswirkung auf
nachgelagerte Agenten begrenzen und Fehlermodi systematisch
klassifizieren [85].
Observability, Debugging und Root-Cause Analysis
Agentensysteme weisen inhärent undurchsichtige, implizite
Reasoning-Prozesse auf [83].
Klassische Observability-Konzepte aus verteilter Software (Logs,
Metriken, Traces) erfassen zwar Systemzustände, liefern aber nur
begrenzte Einsichten in agentische Denkprozesse, Tool-Nutzung und
Halluzinationsmuster [83],
[92]. Aktuelle Arbeiten schlagen kognitive
Observability-Frameworks, spezialisierte LLM-Observability-Plattformen
und Benchmarking-Ansätze vor, die Agentenverhalten detailliert
analysieren und visualisieren. Gleichzeitig zeigen Berichte aus der
Praxis, dass systematische Evaluation und Root-Cause-Analysen häufig
manuell erfolgen und damit zeitaufwändig und fehleranfällig bleiben
[83],
[92]. Eine Forschungsaufgabe liegt in der Standardisierung von
agentenspezifischen Observability-Protokollen, die einheitliche
Tracing-, Evaluations- und Debugging-Mechanismen für unterschiedliche
Agent-Frameworks und Tool-Landschaften definieren und sich mit
bestehenden Monitoring-Stacks integrieren lassen.
Cost Optimization und Token-Effizienz bei Skalierung
Multi-Agent-Systeme konsumieren deutlich mehr Tokens als
Single-Agent-Systeme, unter anderem durch zusätzliche
Reasoning-Schritte, wiederholte Tool-Aufrufe und wachsende Kontexte
[93],
[94], [95]. Studien und Erfahrungsberichte zu agentischen
Workflows in Cloud-Umgebungen und Unternehmen zeigen, dass ineffiziente
Orchestrierung zu erheblichen verdeckten Kosten führen kann, etwa durch
redundante Anfragen, unnötige Parallelisierung oder unzureichendes
Caching [94],
[95]. Pattern-basierte Optimierungen, zum Beispiel
Plan-and-Execute-Ansätze mit getrennten Modellen für Planung und
Ausführung oder hybride Edge-Cloud-Ressourcenzuweisung, demonstrieren
bereits signifikante Einsparpotenziale [93],
[96]. Eine offene Forschungsaufgabe besteht darin, kostenbewusste
Designwerkzeuge für Agenten zu entwickeln, die Prompting,
Memory-Strategien, Modellwahl und Orchestrierung systematisch
hinsichtlich vorgegebener Kostenbudgets optimieren.
Legacy-System-Integration bei produktiven Deployments
Schließlich stellt die Integration agentischer Systeme in bestehende
Unternehmenslandschaften eine weitere offene Herausforderung dar [80],
[97]. Arbeiten zu agentischen Workflows und Enterprise-APIs
betonen, dass viele Organisationen über Legacy-Systeme ohne geeignete
Schnittstellen für Echtzeit-Zugriff, Transaktionssicherheit oder
feingranulare Berechtigungsmodelle verfügen [80],
[97]. Gleichzeitig deuten Marktanalysen darauf hin, dass die
breite Einführung von Agentic AI in Unternehmen weniger an den Modellen
selbst als an fehlender Modernisierung von API-Architekturen,
Sicherheitskonzepten und Governance-Strukturen scheitert [80],
[98]. Agenten, die Code ausführen oder produktive Systeme
steuern, sind jedoch auf robuste APIs, moderne Middleware und
konsistentes Identity- und Access-Management angewiesen [97],
[99]. Es besteht Forschungsbedarf für Architektur- und
Migrationsmuster, die eine sichere und schrittweise Anbindung
agentischer Systeme an etablierte Infrastrukturen ermöglichen.
Ausblick
Mehrere Entwicklungen werden die Architektur von Agentensystemen in
den kommenden Jahren voraussichtlich prägen.
Erstens werden Meta-Agenten und hierarchische Orchestrierungen an
Bedeutung gewinnen [100],
[101]. Generalistische Multi-Agent-Frameworks [96],
[102], Agent-of-Agents-Architekturen [96] sowie
hierarchische Kooperationsmuster zeigen sich bereits als skalierbare
Lösungen für komplexe Aufgaben, die mit Single-Agent- oder flachen
Multi-Agent-Architekturen nur schwer zu bewältigen sind [96],
[100], [102]. Dies verschiebt den Schwerpunkt von der
Konstruktion einzelner Prompts hin zum Entwurf ganzer Agentenhierarchien
und Rollenmodelle [96],
[100].
Zweitens werden Observability und Kostenüberwachung zu
Plattformfunktionen. AI-Gateways und Observability-Plattformen für LLM-
und Agent-Anwendungen etablieren sich als zentrale
Infrastrukturkomponenten, die Routing, Policy-Enforcement und Monitoring
bündeln. Observability wird damit nicht länger als optionales
Diagnosewerkzeug, sondern als integraler Bestandteil von Governance- und
Compliance-Anforderungen verstanden [81],
[84], [94], [99].
Drittens verändern spezialisierte Reasoning-Modelle die
Orchestrierungslogik. Leistungsfähige, aber kostspielige
Reasoning-Modelle mit expliziter Darstellung von Denkpfaden werden
zunehmend mit leichteren Modellen kombiniert, die einzelne
Ausführungsschritte übernehmen. Solche hybriden Strategien, bei denen
Frontier-Modelle die Planung und kleinere Modelle die Ausführung
übernehmen, werden in Analysen zu Performance- und Kostenoptimierung als
vielversprechend bewertet [93],
[96], [103], [104].
Viertens zeichnet sich ab, dass Human-in-the-Loop mit klar
definierter Governance ein zentraler Erfolgsfaktor bleibt [98],
[105]. Position Papers zu Risiken vollautonomer Agenten sowie
Arbeiten zu Guardrails, Governance-Frameworks und
Organisationsstrategien betonen, dass gezielt gestaltete menschliche
Eingriffspunkte entlang des Softwareentwicklungsprozesses essenziell für
Sicherheit, Vertrauen und regulatorische Konformität sind. Anstatt
vollständig autonome Systeme anzustreben, etablieren sich
Konfigurationen, in denen Autonomiegrade bewusst variiert und an
definierten Entscheidungspunkten durch Menschen übersteuert oder
validiert werden. Organisationen, die solche Entscheidungsstrukturen,
Rollen und Kontrollmechanismen frühzeitig etablieren, schaffen damit die
Grundlage für den sicheren und effizienten Einsatz agentischer Systeme
in der Softwareentwicklung [80],
[85], [98], [99], [101], [106], [107], [108], [109].
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