Personenerkennung und Personenidentifizierung EDV-NR: 143307a zu Hören bei Prof. Walter Kriha

Rafael Janetzko, Matrikel-Nr.: 40190

Die Anwendungsgebiete der Personenerkennung und Personenidentifizierung wachsen und werden immer präziser, daher gilt die Personenerkennung und Personenidentifizierung im Bereich der Sicherheit zunehmend als essentiell notwendig und ist fast überall vertreten. Heutzutage entsperren die meisten Leute ihr Smartphone mit biometrischen Daten oder überwachen ihr Eigentum mittels Kamerasystemen, die immer ausgereifter und günstiger werden. Doch Systeme zur Personenerkennung und Personenidentifizierung werden auch im öffentlichen Bereich ausgebaut um beispielsweise die Sicherheit zu erhöhen oder für politische Zwecke. Menschen, die einem solchen System begegnen, machen sich oft keine Gedanken über die Datenverarbeitung, da dies mittlerweile zum Alltag gehört. Neben den Vorteilen der Technik bringt sie allerdings auch Nachteile mit sich.

1. Einleitung

Personenerkennung und Personenidentifizierung sollten unterschieden werden. Von Personenerkennung wird gesprochen, wenn anhand von Daten erkannt werden kann, dass sich eine Person in einem Bereich aufhält. Wenn die Daten jedoch einer Identität zugeordnet werden können, wird von Personenidentifizierung gesprochen. Personenidentifizierung ist somit deutlich präziser und nützlicher. Sie findet meist anhand von biometrischen Daten statt. Die gängigsten Techniken dazu sind die Gesichtserkennung mittels Kamerasystemen, einen Fingerabdruck-, Iris- oder Venenscan. Aber auch indirekte Daten, wie eine Adresse, ein QR-Code oder eine Internetverlauf, können zur Personenidentifizierung führen.[7]

2. Aufstieg der Technik

Marktführende Länder mit dem größten Einsatz der Personenidentifizierung sind China und die USA. So hat allein das Utah Data Center der USA eine geschätzte Speicherkapazität für Personenidentifizierung zwischen 1 Yottabyte und 5 Zettabyte. Auf die Weltbevölkerung zurückgerechnet entspräche dies einem Datenvolumen zwischen 1,4 Megabyte und 140 Gigabyte pro Person an Daten, welche gespeichert werden können.
Dass China diese Technik sehr intensiv nutzt ist deutlich, da sich im Jahr 2020 bereits 626 Millionen Überwachungskameras allein in China befinden. Das entspricht drei Einwohner pro Kamera. Die Stadt mit der meistgenutzten Personenidentifizierung ist Shenzhen. Hier befinden sich im Schnitt 60 Kameras auf 500 Meter Weg. Die Kameratechnik ist vor allem so beliebt, da kein aktiver Kontakt zum System notwendig ist. Im Gegensatz dazu benötigt ein Fingerabdrucksensor eine aktive Handlung. Der Durchbruch der Personenidentifizierung durch Kameratechnik fand mit der Künstlichen Intelligenz (KI) statt, als die KI AlphaGo der USA China im Nationalsport GO geschlagen hat. Aufgrund dieses Ereignisses hat Staatschef Xi Jinping KI zur Steuerstrategie auserkoren. Seither gibt es 1200 Startups allein in Peking, darunter auch SenseTime, das teuerste Startup der Welt mit einem heutigen Marktwert von rund drei Milliarden Euro. SenseTime entwickelt eine Gesichtserkennungssoftware, die zur Personenidentifizierung innerhalb der Bevölkerung dient, welche bereits so ausgereift ist, dass sie Personen besser erkennt als Menschen. KI kann bei der Analyse der Daten helfen, sodass selbst aus verpixelten Bildern das Original ausreichend gut wiederhergestellt werden kann.[1,7,9]

Bild 1: Rekonstruktion von Gesichtern einer verpixelten Aufnahme [1]

3. Akzeptanz und Alltag

Damit die Personenidentifizierung akzeptiert wird und an Vertrauen gewinnt, wird die Bequemlichkeit der Menschen, die Angst oder das Streben nach Sicherheit genutzt. Um den Einwohnern das System näher zu bringen gibt es in China den Haidan-Park in Peking, ein intelligenter Stadtpark, indem es unter anderem möglich ist mittels Gesichtserkennung in Einrichtungen und Verkehrsmitteln zu zahlen, Schließfächer zu bedienen und sich im Pavillon ein Lied zu wünschen. Hierfür muss lediglich eine Anwendung auf dem persönlichen Smartphone installiert und eingerichtet werden. Aber auch im Alltag Chinas ist das System mittlerweile angekommen. Zum Zugang zur Arbeit oder zur Identifizierung und zum Bezahlen auf der Straße wird kein Ausweis und keine Kreditkarte benötigt, ein Blick in die Kamera reicht. Aber auch in der Schule können Eltern und Lehrer prüfen, ob ihre Kinder im Unterricht aufpassen, indem das System Handlungen der Schüler erkennt, analysiert und rückmeldet.

Des Weiteren nutzt die Regierung das System zur Verfolgung von Kriminalität, der Kontrolle des Internets vor Missbrauch und unerwünschten Inhalten und zur Verkehrssteuerung- und sicherheit, indem Fehlverhalten direkt bestraft wird. Weitere Einsatzgebiete sind die gerechte Ressourcenverteilung und die Abschaffung der Armut durch Erziehung mittels eines gesellschaftlichen Punktesystems. [2,6,10]

Bild 2: Verkehrsüberwachung in China mittels automatisierter Personen und Objekterkennung[8]

4. Das Punktesystem

Das Punktesystem basiert auf folgendem Gedanken: Wer sich gut verhält, hat nichts zu befürchten und kann davon sogar profitieren, wer sich schlecht verhält wird bestraft. Jeder Bürger hat zu Beginn 1000 Punkte. Wenn dieser sich gut verhält und der Allgemeinheit hilft kann er sich Punkte dazu verdienen, wenn er sich schlecht verhält oder eine nicht akzeptierte Meinung gegenüber einer staatlichen Institution hat, verliert er Punkte. Jeder Bürger kann so maximal 1300 Punkte erreichen und minimal 600 Punkte besitzen. Diese Punkte können entscheidend sein zur Vergabe von Arbeits- und Studienplätzen, der Kredit- und Kontoverwaltung, dem Erlass von Kautionen, zur Reiseerlaubnis oder Zugang in öffentliche Einrichtungen. Wer einen schlechten Punktestand hat, hat es schwerer und dies kann dazu führen, dass er aus der Allgemeinheit ausgegrenzt wird. Außerdem hilft ein derartiges Punktesystem bei der Vermeidung von sozialen Unruhen, kann aber auch dazu führen, dass das System politisch missbraucht wird, indem bestimmte Gruppen und Minderheiten anhand einer Statistik verfolgt werden. Zudem gibt es Forschungen in den USA und China, welche behaupten potenziell kriminelles Verhalten anhand der Gesichtszüge erkennen zu können. [3,11,4,5,8.9,16]

China Sozial Credit System
Bild 3: Vereinfachte Darstellung des Punktesystems in China[16]

5. Fälschungen und Missbrauch

Heutzutage ist es kaum möglich Bildern einer Aufnahme zu trauen. Mittels Deep Fake ist es mittlerweile möglich Aufnahmen glaubhaft zu fälschen, sodass jemand in einem Video Dinge sagt, die er in Wirklichkeit nie gesagt hat oder Dinge macht, die er nie getan hat. Menschen kann so Verhalten unterstellen werden, welches nie stattfand um sie beispielsweise falsch zu verurteilen oder politisch zu beseitigen.
Ebenso kann es zu einem erhöhten psychologischen Leistungsdruck führen und den Menschen so gesundheitlich schaden. Zudem ist nicht bekannt welche Auswirkungen ein Hackerangriff auf ein solches System hat, da kaum Transparenz vorhanden ist. Es kann jedoch zum Datenklau, Datenfälschung oder Manipulation der Identitätszuweisung führen. Diese fehlende Transparenz bietet kaum Einblick in die automatisierte Datenverarbeitung, welche fehlerhaft sein kann.[14,15]

6. Ist ein solches System in der westlichen Welt möglich?

Dass ein solches System politisch in der westlichen Welt ebenso genutzt und gefördert wird, ist seit Veröffentlichung der NSA-Akten durch Edward Snowden und die Stasi-Unterlagen in Deutschland bekannt. Die Erhöhung der Sicherheit gilt dabei als Legitimierung für ein solches System. Zum Beispiel wird das Virus COVID-19 dazu ausgenutzt, die Personenerkennung und das Filmen von Menschen, mittels eines Social Distancing Detectors, zu legitimieren oder Menschen zum bargeldlosen Zahlen zu bewegen. Diese Systeme werden zudem immer komfortabler gemacht, damit sie von mehr Menschen genutzt werden. Des Weiteren wird versucht Barzahlungen bei hohen Beträgen zu verbieten und große Geldscheine, wie den 500€ Schein, abzuschaffen, um den Geldfluss besser identifizieren zu können. Zudem gibt es Systeme, wie die Black Box Schufa, welche anhand personenbezogener Daten eine undurchsichtige Risikobewertung erstellt. So können Menschen benachteiligt werden, auch wenn sie stets ihre Rechnungen bezahlt haben. Stattdessen können Alter, Geschlecht, sowie Wohnort entscheidend sein. Ist beispielsweise jemand männlich, jung und lebt in einer wohlhabenden Gegend, so hat er höhere Chancen auf einen Vertrag oder einen Bankkredit. [12,13,17,18,19]

Bild 4: Social Distancing Detector in einer Fußgängerzone[17]

7. Fazit.

Personenidentifizierung kann unter richtiger Verwendung positiv genutzt werden. Durch fehlende Transparenz der Datengrundlage eines solchen Systems gibt es keine Sicherheitsgarantie, da Ton und Bild glaubhaft verändert und missbraucht werden kann. Demnach sollte das Ergebnis stets hinterfragt werden und die Auswertung der Daten transparent erfolgen, denn Personen ohne Fachwissen erwarten gegenwärtig eine derartige Fälschung nicht. Daten über eine Person zu haben bedeutet auch Macht über diese Person zu haben. Das Leben der Menschen durch Datenmissbrauch zu ihrem Nachteil verändert werden. Googles KI-Forscher Ian Goodfellow sagte dazu: “Es ist ein historischer Glücksfall, dass sich die Menschheit in den letzten Jahrzehnten weitgehend auf Videos verlassen konnte, um sicherzustellen, dass etwas tatsächlich passiert ist.” [20]

Referenzen

[1]​https://www.watson.ch/digital/social%20media/564033268-hast-du-verpixelte-fotos-auf-einer-dating-seite-da nn-hast-du-ein-problem
[2]​https://www.blick.ch/news/ausland/neue-aera-totaler-ueberwachung-dank-gesichtserkennung-big-brother-wo hnt-in-china-id7593308.htm
[3]https://mixed.de/ki-ueberwachung-china-kontrolliert-ethnische-minderheit-per-gesichtserkennung/
[4]​https://arxiv.org/pdf/1611.04135v2.pdf
[5]https://mixed.de/kann-eine-kuenstliche-intelligenz-verbrecher-am-gesicht-erkennen/
[6]​https://www.derstandard.de/story/2000093116588/chinas-singender-pavillon-und-die-kuenstliche-intelligenz
[7]https://www.berliner-zeitung.de/zukunft-technologie/kuenstliche-intelligenz-totale-ueberwachung-ist-in-chin a-laengst-normalitaet-li.37733
[8]​https://www.technocracy.news/china-claims-its-social-credit-system-has-restored-morality/
[9]​https://www.welt.de/kultur/article191734655/Wie-China-mit-kuenstlicher-Intelligenz-zum-Ueberwachungsst aat-wird.html
[10]​https://www.golem.de/news/gesichtserkennung-schule-in-china-testet-system-zur-aufmerksamkeitserkennu ng-1805-134465.html
[11]​https://netzpolitik.org/2019/gesichtserkennung-automatisierter-rassismus-gegen-uigurische-minderheit-in-china/
[12]​https://netzpolitik.org/2019/usa-erneut-klage-gegen-massenueberwachung-durch-nsa-abgewiesen/
[13]​https://www.zeit.de/2019/39/edward-snowden-whistleblower-staatsfeind-cia
[14]​https://ars.electronica.art/center/de/obama-deep-fake/
[15]​https://futurezone.at/digital-life/deepfake-barack-obama-schimpft-in-video-ueber-donald-trump/400023301
[16]​https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/infografik-chinas-sozialkredit-system-15913709.html
[17]​https://mixed.de/social-distancing-abstandskontrolle-per-ki-tracking/
[18]​https://www.aachener-zeitung.de/ratgeber/geld/corona-und-die-bargeldabschaffung_aid-50403137
[19]​https://www.faz.net/aktuell/finanzen/bargeld-noch-eine-menge-500-euro-scheine-im-umlauf-16718681.html
[20]https://mixed.de/kuenstliche-intelligenz-ki-forscher-glaubt-an-massenhaft-fake-multimedia/