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Sicherheit und Langlebigkeit der Global-Tech-Player

Andreas Nicklaus

Bei der Frage danach, wie sicher unsere Anwendungen sind, sind Threat Analysis und Threat Modelling bewährte Methoden. Dabei wird klar, dass alle Angriffe aus einem Ziel, den Mitteln und dem Motiv bestehen. Ziele können in der Regel von einer internen IT und Security versteckt oder vermindert werden. Die Mittel zum Angriff sind heutzutage quasi unbegrenzt und wenn überhaupt nur durch finanzielle Mittel begrenzt. Um die Motive zum Angriff zu unterdrücken, können Global Player, die aufgrund Ihrer Größe ohnehin politischen Einfluss haben, lediglich ihren Umgang mit der Öffentlichkeit ändern. Das stellt die Frage: Wie sicher und langlebig sind die politischen Ideologien der Global-Tech-Player?

Viele der Global Player, unabhängig von der Branche, sind politisch aktiv. Aufgrund der Größe der Mitarbeiterschaft und der Anzahl der Kunden haben diese Unternehmen Einfluss auf die Gesellschaft. Ob dieser Einfluss genutzt wird, um den eigenen Profit zu steigern oder um echten positiven gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben, spielt oft keine echte Rolle und es ist auch unmöglich zu sagen, welches Ziel durch Aktionen wie Spenden wirklich verfolgt wird.

Um in der Gesellschaft Veränderungen zu bewirken, zeigen politischen Systeme weltweit einige geschichtliche Beispiele und Versuche. Diese Beispiele sollten uns zeigen, wie erfolgreich und beliebt die politischen Ideologien intern und extern sind.

Welche politischen Systeme sind instabil?

Sicherheit und Langlebigkeit als Kriterien für Stabilität eines politischen Systems zeigen sich statistisch erfassbar in erster Linie über die Proteste und Demonstrationen, in denen die Leitung des entsprechenden Systems direkt involviert ist. Dazu stellen Carnegie Endowment for International Peace Daten zu Protesten weltweit und Our World in Data Klassifizierungsdaten zu Regimen pro Nation zur Verfügung. Dadurch können wir herausfinden, unter welchen Regimen häufiger Proteste vorkommen, in welchen Nationen solche Proteste mit Todesopfern enden und welche Motivationen diese Events haben.

Die Karte der Nationen der Welt zeigt die Kategorien der Regime, eingeteilt in geschlossene und gewählte Autokratien und gewählte und liberale Demokratien.
Die Aufteilung der Proteste nach Summe der Todesfälle bei Protesten pro Eventtyp und Regimetyp zeigt, dass in Autokratien deutlich mehr Todesfälle passieren und die Öffentlichkeit der Proteste stark vom Regime abhängt.

Die Anzahl der Proteste und die Anzahl der Todesfälle zeigen eindeutig, dass unter gewählten Autokratien die meisten öffentlichen Proteste mit Todesfällen passieren. Unter geschlossenen Autokratien passieren mehr Explosionen und Gewalt aus der Distanz in nicht-öffentlichen Protesten. Unter anderem lassen die Daten vermuten, dass es unter den Typen an Regimen eine Rangordnung an Stabilität und Zufriedenheit gibt:

  1. Liberale Demokratie
  2. Gewählte Demokratie
  3. Geschlossene und gewählte Autokratien

Um mit dieser sehr allgemein gehaltenen Rangordnung etwas anfangen zu können, sollten wir noch reale politische Systeme in die 4 oben genutzten Rubriken einordnen.

Ein HerrschenderWenige HerrschendeViele Herrschende
am Gemeinwohl orientiertMonarchieAristokratiePolitie
am Eigennutz orientiertTyranneiOligarchieDemokratie
Einteilung der Staatsformen nach Aristoteles

Für diesen Artikel nehme ich zudem noch Theokratien auf, da sie sie zwar nach Aristoteles in die Rubrik der wenigen Herrschenden, aber nicht nach der Qualität der Herrschaft einzuordnen ist. Mit diesen Informationen können wir über die politischen Ideologien von Global-Tech-Player und damit zusammenhängend über die Qualität der Unternehmen spekulieren.

Global-Tech-Player als Regierungssysteme

Die systematische Einordnung und halb-blinde Bewertung der politischen Systeme in den Nationen der Welt ist nur ein Teil dieses Artikels. Während die Staaten öffentlich ersichtlich agieren und Streitigkeiten öffentlich ausgetragen werden, sind die Führungsstile und Konfliktlösungsprozesse in Unternehmen oft von außen nur schwer einsehbar.

Deshalb beginnen jetzt der zweite Teil dieses Artikels und die Spekulationen über die Zukunft der Global Player in der Tech-Branche. Meine Meinung ist nicht Gesetz und auch nicht unbedingt gebildet. Deshalb gilt: DON’T SHOOT THE MESSENGER! Meine Meinung basiert auf meinem subjektiven Eindruck der Organisationsführung, den Produkten und der Motivation der Unternehmensstrategie, nicht auf Unternehmens- oder Verkaufszahlen.

Linux Community

Die erste Organisation, die ich mir angucken will, ist auch die unpassendste in der List. Die Linux Community ist in meinen Augen in erste Linie eine Anti-Organisation, die bewusst keine feste Führung haben will und ist nicht mal als eine einzige Linux Community zu charakterisieren, mit etwaigen Untergruppen und verschiedenen Organisationsstrukturen. Deshalb war mein erster Eindruck in diesem Fall zu sagen, dass “die Linux Community” eine Anarchie ist. Im Grunde kann jeder tun und lassen, wer er oder sie will, und der Erfolg der Vorhaben hängt einzig und allein davon ab, wie gut oder überzeugend du in dem bist, was du tust.

Auf der anderen Seite gibt es Personen und Gruppen mit viel Einfluss. Diese Macht kommt von der Bestätigung der ganzen Gruppe und fällt, wenn etwas getan wird, was dem Volk nicht gefällt. Dieser Eindruck verleitet mich im zweiten Licht, die Linux Community als eine Demokratie zu bezeichnen. Es bilden sich in Untergruppen mehr oder minder offizielle Kommitees und Konglomerate, die nach dem Wunsch der Community agieren und deshalb auch hin und wieder ihre eigene Meinung durchsetzen können. Allerdings sind Demokratien oft in erster Linie am Eigenwohl interessiert, was ich hier nicht passend finde. Was die Linux Communities unter anderem auszeichnet, ist das Bewusstsein, dass die eigenen Errungenschaften nicht nur selbst genutzt werden, sondern außerhalb auch übernommen werden. Deshalb richtet sich der Blick oft nach außen und auf das Gemeinwohl der Tech-Welt.

Bei meiner Recherche bin ich also wie oben schon erwähnt auf die Politie gestoßen: Eine freie Organisation mit der Macht beim am Gemeinwohl orientierten Volk. Es gibt Gruppierungen, die aber vom Volk geprüft werden und nicht komplett frei agieren können. Man könnte sogar sagen, dass die Linux Communities noch freier sind als liberale Demokratien.

Google

Google ist für mich ein schwieriger Kandidat, weil ich ein großer Fan von Google bin und nahezu alles toll finde, was Google produziert. Als ersten Untersuchungsgegenstand für meine Einschätzung habe ich also das Hauptprodukt von Google genommen: die Google Search Engine. Sie ist kostenlos für alle, unglaublich funktional und hat unter seinen Konkurrenten wenige ernstzunehmende Kandidaten, die sie in ihrem eigenen Spiel nicht schlagen kann.

Gleichzeitig hat die Unternehmensführung wenig Celebrity-Status im Vergleich zum Rest der Liste. Zwar ist klar, dass Google sehr lukrativ agiert und am Unternehmensprofit orientiert ist, aber ich neige trotzdem dazu zu sagen, dass Google im Licht für diese Überlegung eher am Gemeinwohl interessiert und somit eher eine Aristokratie als eine Oligarchie ist.

Amazon / AWS

Amazon zeigt sich in meinen Augen sehr ähnlich zu Google, mit einem großen Unterschied: der Celebrity-Status der Unternehmensführung, namentlich die Tatsache, dass ich weiß, wer Jeff Bezos ist.

Besser als die Weltraummission von Jeff Bezos kann ich es nicht besser beschreiben, dass der Eigennutz im Vordergrund für Amazon steht. Ja, AWS ist nicht Amazon, aber ich gehe davon aus, dass die politische Mentalität sich überträgt. Deshalb zeigt sich die politische Struktur für mich: Oligarchie.

Meta

Meta ist ein absolutes Oligopol im Bereich im Social Media. Facebook, Instagram und Whatsapp dominieren die Kommunikation und die soziale Technologie. Zusätzlich genießt die Unternehmensführung, namentlich Mark Zuckerberg, großen Celebrity-Status mit einer großen Gefolgschaft. Das Handeln von Meta als Unternehmen und die Profitorientierung bildet in meinen Augen keinen großen Unterschied zu Amazon und AWS. Deshalb muss ich Meta auch als eine Oligarchie bezeichnen.

Tesla & Co.

Zu Tesla, ihren Schwesterunternehmen und der Unternehmensführung fallen mir viele Begriffe ein: Größenwahn, Celebrity-Status, Willkür und Gefolgschaft. Elon Musk ist wahrscheinlich einer der bekanntesten Menschen in der Tech-Branche und oft wegen seines ungewöhnlichen Führungsstiles. Ich sage ungewöhnlich, aber meine unbeliebt. Eine Idee wird selten geboren, sondern vorgegeben und selbst dann oft nicht mit Teilhabe belohnt. Für manche ist Elon Musk ein Irrer und für andere ein Gott.

Unter diesem Gesichtspunkt stellt sich für mich nur eine Frage: Nutzen Tesla und die Schwesterunternehmen ihre Ressourcen für den Eigennutz oder für das Gemeinwohl? Ich weiß es nicht und kann es unmöglich beantworten. Wenn es der Eigennutz ist, muss ich Tesla als Tyrannei bezeichnen, andernfalls als Monarchie.

Apple

Apple ist in meinen Augen ein schwer einzuschätzender Kandidat und die Meinungen in der Tech-Branche gehen weit auseinander. Sind Apples Produkte das Heilmittel für alle Nutzerprobleme oder die Quelle? Sollten wir all unsere Endgeräte aus dem Apple-Universum besorgen oder ein für alle Mal aus der Welt schaffen? Was klar ist, ist die Tatsache, dass Menschen von außerhalb gerne Apple-Anhänger als desillusioniert und abhängig bezeichnen, wohingegen Menschen von innerhalb ihre Erlösung in Apple sehen und sich für gutes Design und Support gerne ihr Geld blechen.

Wenn ich Gruppierungen in der Geschichte betrachte, fällt mir dazu nur ein Vergleich ein: die katholische Kirche. Ein Apple-Nutzer zu sein ist Status, Begeisterung und teilweise Ernüchterung und Enttäuschung Nicht-Applern gegenüber. Apple-Anhänger haben sogar einen Gott, dessen Erbe die Unternehmensführung versucht fortzusetzen. Die Gefolgschaft der Kunden bringt mich dazu, Apple als Theokratie zu bezeichnen.

Ausblick

Ausgehend davon, dass demokratisch veranlagte Systeme mit lang und relativ sicheren Lebenszeiten rechnen können, können wir davon ausgehen, dass die Linux Communities und Google mit wenig Ausbrüchen von Konflikten planen können. Es ist nicht damit zu rechnen, dass Communities gegen diejenigen Organisationen revoltieren, an denen sie mitwirken können oder die Gutes für sie tun.

Unternehmen mit strenger regimentierten Systemen wie Amazon, Meta und insbesondere Tesla können mit häufigen Revolten in verschiedenen Größen rechnen. Diese Revolten können mit Einbrüchen der Kaufzahlen oder großen Kündigungswellen Form annehmen.

Apple hingegen ist ein interessanterer Fall. Eine Theokratie ist definitiv eine geschlossene Autokratie, da das Volk kein Mitsprachrecht hat, aber es ist auch eine akzeptierte Autokratie. Solange Apple den Menschen gibt, was sie wollen, kann die Theokratie weiterlaufen. Sobald Apple Fehler begeht oder ein Reformator kommt und die Augen öffnet, muss Apple damit rechnen, ihre Vormachtstellung aufzugeben und sich das Apple-Universum mit der Konkurrenz zu teilen.


Wenn du mehr über die Machtgefüge in Nationen oder Organisationen lernen willst, kann ich dieses englischsprachige Youtube-Video “Rules for Rulers” empfehlen. Darin wird die Frage beantwortet, warum so viele Diktatoren so kaltherzig und demokratische Führer so engelsgleich und warmherzig wirken. Welche Regeln gelten für Menschen in Führungspositionen?

Das Youtube-Video “The Rules for Ruler” von CGP Grey untersucht, wie politische Machthaber ihre Kontrolle behalten können und wie viel Macht sie abgeben müssen, um ihren Einfluss zu sichern.

Quellen


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Andreas Nicklaus

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